
Basel. Immer wieder steht das Theater Basel im Mittelpunkt des internationalen Interesses. Auch jetzt wieder, denn dort war in den einzigen Aufführungen im deutschsprachigen Raum das von Robert Wilson gemeinsam mit Marina Abramovic kreierte Gesamtkunstwerk "The Life an Death of Marina Abramovic" zu sehen. Die Uraufführung fand letzten Juli während des Manchester International Festival statt. Koproduktionspartner ist neben dem Theater Basel auch das Teatro Real Madrid.
Die heute 65-jährige Marina Abramovic beauftragte mit Wilson bereits den dritten Regisseur, sich auf der Bühne mit ihrer Biografie zu beschäftigen. Der Amerikaner ist mit seinem erprobten Mix aus Lichteffekten, stilisierten und im Tempo gedrosselten Bewegungen von Körpern, die sich nicht berühren, Geräuschen und Musik ans Werk gegangen. Er beleuchtet die Vita der "Großmutter der Performance", wie sich die aus Serbien stammende und in New York lebende Künstlerin bezeichnet, zunächst chronologisch. Willem Dafoe ist der fesselnd berichtende Biograf, der sich als großer Stimmkünstler erweist und dabei an viele seiner Filmrollen erinnert.
Von Waschmaschinen und klackenden Schuhabsätzen
Einschneidende Ereignisse und Szenen, die mehr über die Performerin sagen, unterbrechen den Zeitstrahl. Schmunzeln darf man, wenn Familie Abramovic ihre erste Waschmaschine erhält. Marina Abramoviæ spielt hier ihre eigene Mutter, deren beherrschende, nicht unproblematische Persönlichkeit immer wieder durch das bedrohliche Klacken der Schuhabsätze auf einem Steinboden symbolisiert wird.
Mit ihren Performances überschreitet Marina Abramovic regelmäßig Grenzen. Sie bürstete ihre Haare so lange, bis die Kopfhaut blutete, oder saß 2010 im New Yorker MoMa 712 Stunden auf einem harten Holzstuhl und schwieg. Von Ähnlichem bleibt das Publikum verschont, nur einige Schwarzweiß-Videos verstören: zum Beispiel ein Auge, dessen Pupille mit einer Nadel durchstochen ist. Abramovic will ihr Publikum aber gar nicht schockieren, sondern dessen Horizont öffnen. Vor allem will sie seine Energie nutzen, um sich von Schmerz und Angst zu befreien.
Allzu viel Drastik würde im Übrigen nicht zu Wilsons hoch-ästhetischem Konzept passen, das sich erstaunlich gut mit den Performance-Elementen verbindet. Viel zur Wirkung des Abends tragen die Songs von Antony Hegarty und vor allem der klagende Gesang von Svetlana Spajiæ bei, die mit ihren Liedern der serbischen Musiktradition die Reverenz erweist. Eine Frage stellt sich aber doch am Ende des Abends, nämlich ob dem Spektakel in seiner Gesamtheit nicht etwas Museales anhaftet. Eingebettet ist der Abend in die Darstellung des Todes von Marina Abramovic: Im Prolog stehen drei offene Sarkophage auf der Bühne, im mittleren liegt Marina Abramovic selbst, in den anderen Doubles, und wartet auf ihre Beerdigung. Drei Dobermänner, mit denen Wilson auf einen alten tibetischen Bestattungsritus anspielt, schnüffeln friedlich am mit Knochen bestreuten Boden. Im Epilog werden die drei Frauen dann nach oben gezogen, nachdem in der Szene davor schon schwarze Engel auf das Ende hinweisen.
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