Sie stehen leger schwatzend rechts und links am Bühnenrand, hie und da wird sogar gelacht, das Publikum fast neugierig beäugt. Erst nachdem die Meisterin mitten im Parkett Platz genommen hat, startet der Rhythmus-Tornado, der das Burgtheater zum Wirbeln bringt: Die belgische Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker und ihre zwölfköpfige Formation "Rosas" gehören auch heuer zu den Fixstartern des jährlichen Impulstanz-Festivals.
De Keersmaeker lässt ihr Erfolgsstück "Drumming" - nach dem gleichnamigen Perkussionsstück von Steve Reich -, das bereits 1998 beim Impulstanz-Festival uraufgeführt wurde, wiederauferstehen, reanimiert einen Klassiker des zeitgenössischen Tanzes. Konzeptionelle Alterserscheinungen lässt die seit fast 30 Jahren aktive Starchoreografin erst gar nicht aufkommen. Gleich von Beginn an fesselt sie ihr Publikum mit im Rhythmus und kontrarhythmisch gesetzten Bewegungen: Kaum starten zwei Musiker mit zartem Trommeltönen, löst sich eine Performerin temporeich aus der Gruppe. Ihre Bewegungssequenz wird kurz darauf von einem weiteren Tänzer gespiegelt, dann von immer mehr Tänzern in alle Raumrichtungen kopiert. De Keersmaeker spielt mit allen möglichen Arten von Gruppierungen - Solo, Duo, Trio und Gruppen tanzen aufeinander zu, um gleich wieder auseinanderzudriften.
Leichtigkeit, die
nicht leicht ist
Die zwölf Musiker des Ictus Ensembles singen und spielen live auf Bongo, Marimba, Xylofon und Flöte, der Tanz übernimmt teils die Steve-Reich-Dynamik mit stilsicherem Bewegungsrepertoire, doch auch das Innehalten in Positionen bringt enorme Variationslösungen in den kurzweiligen 70 Minuten. Das Laufen - fast Sprinten - um einen imaginären Mittelpunkt, das Hüpfen oder manche wie zufällig entstehende Hebung vermittelt Leichtigkeit und scheint ein Leichtes. Ist es aber nicht: De Keersmaeker verlangt extreme Kondition und Körperbeherrschung von ihren Ensemble-Mitgliedern, die sich trotzdem lächelnd zunicken und mit Blicken kommunizieren. Auch ein lautstarkes "Go" ist manchmal ob des Musikwirbels notwendig.
Obwohl sie als Gruppe agieren, betont De Keersmaeker deren Unterschiede, wie auch die Kostüme verdeutlichen: weiße Kleider, die durch gelbe und orange Blusen die Individualität der Performer betonen. Eingebettet in die gleichfarbige Beleuchtung, vermittelt die Choreografin Lebenskraft und Energie in oft fast meditativen Sequenzen. Ein Wirbelsturm an zeitgenössischem Tanz und anschließendem Applaus.
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