• vom 30.07.2012, 17:54 Uhr

Bühne

Update: 30.07.2012, 18:12 Uhr
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Neue "Ariadne" in Salzburg - ein Feelgood-Abend für Theaterfans

Trauminsel für Opernbanausen


Von Christoph Irrgeher

Die Oper als Aufputz mit Elena Mosuc (r.) als Zerbinetta und Emily Magee als Ariadne.

Die Oper als Aufputz mit Elena Mosuc (r.) als Zerbinetta und Emily Magee als Ariadne.© APA/BARBARA GINDL Die Oper als Aufputz mit Elena Mosuc (r.) als Zerbinetta und Emily Magee als Ariadne.© APA/BARBARA GINDL

"Ruh-he!", brüllt jemand von weit hinten. Wichtiger als das Woher ist allerdings das Wohin. Nicht einem Störenfried im Publikum gilt der Ruf, sondern der Bühne. So seltsam es klingt: Ziel der Wut ist Cornelius Obonya, Schauspieler von Renommee. Der steht in Salzburg nämlich auch auf den Brettern, wenn die Opera seria "Ariadne auf Naxos" anhebt. Als dummer Impresario übertönt er das bestellte Werk mit Kiebitzrufen - und somit Richard Strauss. Was im richtigen Publikum eben nicht jeder zum Kichern findet. Eine befriedigende Fusion von Theater und Oper - es ist schon eine heikle Sache.

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100 Jahre ist es her, dass genau das versucht ward: Die Ton- und Textsetzer Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal werkten an einer Verneigung vor Max Reinhardt. In seinem Sinn sollte ein Genregemisch entstehen - aber freilich auch ein Erfolg. Zwei Wünsche, die sich arg spießten: Die Uraufführung der "Ariadne auf Naxos" geriet zum Fiasko. Kein Wunder, war sie doch ein unstimmiges Zweigangmenü. Was mit einer Adaption von Molières "Bürger als Edelmann" begann, bekam nach der Pause eine Oper-in-der-Oper aufgesetzt. Der radikale, doch rettende Schritt: statt Molière ein einleitendes Singspiel. Kompakt, stimmig - und auf Dauer ein Erfolg.

Information

Oper
Ariadne auf Naxos
Salzburger Festspiele

Luxus-Kasperliade
100 Jahre später bläst Sven-Eric Bechtolf, Schauspielchef in Salzburg, trotzdem zur Ehrenrettung des Originals. Tatsächlich besticht seine Neufassung der Theater-Hälfte durch Bündigkeit. Und: Er will nicht nur Schauspiel- und Opernteil, sondern auch Schriftsteller und Werk fest verbinden. Der biografische Kunstgriff: Hofmannsthals unerfüllte, weil an unbeugsamer Trauer scheiternde Liebe zur Witwe Ottonie von Degenfeld-Schonburg. In der Molìere-Bearbeitung hat sie ein Double: Witwe Dorimene, die der prestigewütige Titelheld bestürmt. Und in der nachfolgenden Oper, die der Parvenü halb heiter, halb ernst wünscht? Da flehen Komödianten die trauernde Ariadne zur Rückkehr ins Leben an. Behutsam verspinnt Bechtolf die Beziehungsfäden: Er schickt Hugo und Ottonie voran, lässt den Dichter vom "Ariadne"-Projekt erzählen und dann allmählich das Stück (unter Mitwirkung des Duos) beginnen. Ein doppeltes, im zweiten Teil gar dreifaches Spiel, wenn die anbefohlene Oper beginnt.

So smart das Konzept, so pointengrell aber die Umsetzung des Molière-Teils. Zwar ist Bechtolfs Regiehand mit einem Feingefühl gesegnet, das dem unscheinbaren Augenblick platonisches Liebesglück einzuschreiben vermag. In der Hauptsache aber setzt diese Hand auf Obonya. Lobte ein Uraufführungskritiker 1912 eine "nie grob burleske" Figur, scheint Obonya mit der Mission betraut, als kindisches Springinkerl einen Outrage-Rekord in den Disziplinen Fechten, Tanzen, Parlieren und Singen aufzustellen. Es ist dies ein Kraftakt, der auf einer Musical-Bühne gewiss bestens aufgehoben wäre. In Salzburg gerät er dank gediegenen Handwerks immerhin zu einer luxuriösen Kasperliade: Die Screwball-Choreografien sind eine Fingerübung Heinz Spoerlis; den Haushofmeister gibt Peter Matic, der das Rollen-Upgrade von der konventionellen zur Neu-Urfassung mit Schalk auskostet. Michael Rothschopf und Regina Fritsch spielen sich als (zuletzt nicht mehr) verhindertes Liebespaar allmählich auf Betriebstemperatur.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-30 16:29:10
Letzte Änderung am 2012-07-30 18:12:24


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