
Wien. Die Wucht seiner Bilder ist verstörend brutal, sie lösen oft heftige Publikumsreaktionen aus. Der belgische Choreograf Wim Vandekeybus geht in seinem jüngsten Werk "Booty Looting", das am Montag beim Impulstanz-Festival Österreichpremiere feiern wird, auf Raubzug: Es wird gestohlen, was schon gestohlen wurde, erklärt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das Medium Fotografie bietet ihm dazu den perfekten Rahmen.
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"Wiener Zeitung":Sie präsentieren beim Impulstanz-Festival "Booty Looting". "Gestohlenes stehlen" bedeutet der Titel. Wer wird was stibitzen?
Wim Vandekeybus:Letztes Jahr zeigten wir "Oedipus", und nun wollte ich von Neuem beginnen, Bezug nehmend auf die Fotografie. Sie bietet die Möglichkeit eines Spiels zwischen dem, was innerhalb des Fotorahmens und was außerhalb passiert. Das Stück zeigt also einen Blick in ein Studio und wie dort Fotos entstehen. Man sieht jedoch nicht nur das Ergebnis, sondern auch das Drumherum. Fotografie hat natürlich mit Erinnerung zu tun und auch mit Rekonstruktion: Indem du den Auslöser drückst, killst du die Gegenwart und machst sie zu einem Fixum der Vergangenheit. Auch wollte ich ein Stück kreieren, bei dem die Zuseher kräftig mitzuarbeiten haben. Einerseits sieht man die technischen Möglichkeiten, wie man Fotografie auf der Bühne einsetzen kann, andererseits auch, wie auf ironische Weise Geschichten erzählt werden. Wir arbeiten viel mit Zitaten und bringen die Zuschauer auf einen Interpretationstrip, um sie dann mit Wahrheit und Lüge der Fotografie an der Nase herum zu führen.

Warum gerade ein Stück zur Wahrheit und Lüge der Fotografie?
Zu Beginn meiner Karriere war ich mehr Fotograf als Theaterschaffender oder Choreograf. Deshalb wollte ich nun zu meiner ersten Liebe, der Fotografie, zurückkehren. Fotografie ist für mich ein spannendes Medium mit einer anderen Ausdruckskraft.
Man hat den Eindruck, dass Tanz in den letzten Jahren für Ihr kreatives Schaffen zur Nebensache geworden ist. Was bedeutet Ihnen heute Tanz im Vergleich zu Ihrem Karrierestart?
Ich bin der Meinung, dass Tanz die Funktion hat, etwas auszudrücken, dass also die Botschaft und nicht die Bewegung im Vordergrund steht. Bei "Booty Looting" sind ebenfalls vier - übrigens sehr gute - Tänzer aktiv. Aber es stimmt, denn es wird mehr ein Theaterstück sein. Mir ist es nicht wichtig, ob man es Tanz oder Theater nennt. Es ist sehr einfach: Wenn sich Künstler bewegen, ist es schon eine Art von Tanz. So wie Jerry Killick von Forced Entertainment, der ein Monster des Unterhaltungsfachs ist. Er fesselt die Menschen, und sie vertrauen ihm sofort. Auch er bewegt sich, ja er tanzt. Und ich bin nicht der Mensch, der den formalen Tanz sucht. Ich recherchiere den Tanz insofern formal, in dem ich erkunde, was die Performer machen können. Aber ich verstecke es im Kontext des Stücks.
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