• vom 15.08.2012, 18:00 Uhr

Bühne

Update: 16.08.2012, 11:49 Uhr
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Das Wiener Impulstanz-Festival geht mit steigenden Auslastungszahlen zu Ende - doch das Budget schrumpft

"Wien ist nicht die einzige Stadt"


Von Verena Franke

  • Impulstanz-Chef Karl Regensburger zeigt sich des Budgetkampfes müde.

Wien. Der "Ideen-Generator", wie Ismael Ivo bei der Bilanzpressekonferenz das diesjährige Impulstanz-Festival bezeichnete, ging in seiner 29. Ausgabe am Sonntag zu Ende. Festival-Chef und Mitbegründer Karl Regensburger kämpft Jahr für Jahr um eine Erhöhung der Subventionen vonseiten der Gemeinde Wien und des Bundesministeriums. Erstmals jedoch fürchtet er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" um die Zukunft des internationalen Tanz-Treffens.

Ismael Ivos "Francis Bacon" geht noch bis Freitag in die Festival-Verlängerung.

Ismael Ivos "Francis Bacon" geht noch bis Freitag in die Festival-Verlängerung.Laurent Ziegler Ismael Ivos "Francis Bacon" geht noch bis Freitag in die Festival-Verlängerung.Laurent Ziegler

"Wiener Zeitung": Bei der Abschluss-Pressekonferenz hatte es den Anschein, als ob Sie die jetzige budgetäre Situation des Impulstanz-Festivals regelrecht verärgert.

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Karl Regensburger: Man muss das jetzt schon einmal feststellen: Ich bin mir sehr bewusst, dass 2.450.000 Euro sehr viel Geld ist. Mehr als 100.000 Zuschauer sind aber auch sehr viel - und es werden jährlich mehr, obwohl ich mir die diesjährige Steigerung gar nicht erwartet hatte. Ich weiß, das hört man nicht gerne in Wien, aber städtische Initiativen erhalten pro Zuseher das Drei- bis Fünffache an Subventionen. Wenn man ihnen 80 oder 90 Euro pro Zuseher zugesteht, dann kann man nicht verlangen, dass wir mit 24 Euro auskommen. Ich missgönne niemanden seine Förderungen, aber wir bräuchten zumindest die Hälfte davon, was andere bekommen. Tatsache ist, dass wir seit Jahrzehnten zu wenig erhalten. Wir haben versucht, diese Lücke zu füllen.

Information

Bilanz des diesjährigen Impulstanz-Festivals  

Mit insgesamt 105.750 Besuchern bei Vorstellungen, Workshops, Parties und anderen Veranstaltungen konnte man heuer den Vorjahresrekord von 102.500 Zusehern brechen.
Mit 51 Produktionen – davon sechs Uraufführungen und 26 österreichische Erstaufführungen – und insgesamt 103 Vorstellungen konnte das diesjährige Impulstanz-Festival in seiner
29. Ausgabe eine Auslastung von 98 Prozent verzeichnen.
Die Performances wurden von 29.786 Interessierten gesehen, während die Festival-Lounge 20.000 besuchten.
Rund 38.000 besuchte Kurseinheiten ergaben sich aus mehr als 5000 Workshop- und Research-Buchungen.
Diesen Auslastungszahlen steht ein Gesamtbudget von fünf Millionen Euro gegenüber, das im Vergleich zum Vorjahr heuer konstant geblieben ist: Rund eine Million Euro nimmt das Festival an den Kassen ein, weitere 900.000 Euro kommen von Sponsoren, 600.000 von der EU. Von der Stadt Wien erhielt Impulstanz heuer zwei Millionen, wobei 150.000 Euro für die Choreographic Platform Austria (CPA) zweckgebunden waren und vom Bundesministerium 450.000 (50.000 für die CPA).
Neben den internationalen Gastspielen von Größen des zeitgenösischen Tanzes wie Jan Fabre, Anne Teresa de Keersmaeker, Wim Vandekeybus und Johann Kresnik wurden mit der erstmalig bei Impulstanz stattfindenden CPA 37 heimische Tanzschaffende präsentiert. Kern der CPA war der Österreich Pavillon im Etablissement Gschwandner in Hernals, wo österreichische Choreografen ihre Performances "ausstellten" – von einer zeitgenössischen Version des Schunkelns bis zu Stereotypen türkischen Tanzes.
Auch die Nachwuchsreihe 8:tension und Wild Walk, die Spätnachtsschiene, stand wieder auf dem Programm.
Insgesamt wurde das Festival durch elf Zusatzvorstellungen vergrößert und zeigt noch nach seinem offiziellen Ende am vergangenen Sonntag bis Freitag Ismael Ivos "Francis Bacon" im Wiener Odeon.

Mit zusätzlichen Sponsorengeldern?

Sponsoren waren unterstützend, natürlich. Damit kann man aber kein Festival planen. Denn wenn es etwa zu einem Vorstandswechsel oder Ähnliches kommt, ist die Unterstützung wieder weg. Wir brauchen einfach eine solide Grundlage, um planen zu können. Ich muss schon sagen, wie wir uns teilweise veräußern, ich spreche da im Namen des Teams, das geht so nicht mehr.

Sie haben 2011 gesagt, das Festival hätte die budgetäre Fahnenstange erreicht. Nächstes Jahr heißt es 30 Jahre Impulstanz. Wie wollen Sie ein Jubiläum finanzieren?

Wir sind natürlich in der Planung, aber ich werde mich vom Jubiläumsgedanken nicht verführen lassen, um dann in den Konkurs hineinzuschlittern. Und wir sind auf dem besten Wege, wenn da nicht endlich etwas unternommen wird.

Letztes Jahr meinten Sie, 2,75 Millionen Euro würden Sie brauchen.

Das ist unverändert. Wir erhalten von der Stadt Wien jetzt 1,85 Millionen plus 150.000 Euro, die für die CPA (Choreographic Platform Austria, Anm.) zweckgebunden sind. Also wie im letzten Jahr, nur dass wir die CPA zusätzlich veranstaltet haben. So schaut’s aus. Die war schon ein ziemlicher finanzieller Brocken. Die jungen, kleineren Sachen kosten verhältnismäßig mehr. Ismael Ivo zu programmieren macht mir kein Kopfzerbrechen. Er ist es ohnehin gewohnt, dass er keine Gage bekommt, wenn kein Geld da ist. So haben wir ja auch angefangen, so haben wir dieses Festival aufgebaut. Aber so will ich auch nicht weiterarbeiten. Ich liebe Wien, aber es ist nicht die einzige Stadt auf dieser Welt.

Heißt das, dass Sie sich vorstellen könnten, dieses Performance-Festival woanders aufzuziehen? Etwa in Venedig, wo Ismael Ivo Chef der Tanz-Biennale ist?

Venedig nicht, aber es gibt Gespräche mit Sao Paulo oder auch Shanghai. Ich würde das sehr gerne mit Wien verbinden, aber . . .

An Anerkennung und Auszeichnungen mangelt es ja nicht.

Karl Regensburger ist Intendant und Mitbegründer.

Karl Regensburger ist Intendant und Mitbegründer.Judith Lutz Karl Regensburger ist Intendant und Mitbegründer.Judith Lutz

Ja, aber das muss sich irgendwann auch im Gerstel für das Festival niederschlagen. Impulstanz braucht es wirklich, wirklich. Es ist nicht lustig, ständig im Banküberzug zu sein. Und irgendwann - vielleicht hat das auch mit meinem fortschreitenden Alter zu tun - ermüdet mich diese Situation. Ich würde mir wünschen, dass man Ismael und mir weniger Professoren-Titel, Tourismus-Medaillen und Kreuze umhängt, sondern dass man auch uns an eine Förderung pro Zuseher heranführt, wie es andere städtische Events erhalten.

Ist das 30-jährige Jubiläum in Gefahr, gar nicht stattzufinden?

Die Grundsubvention ist mit 1,85 Millionen Euro bereits beschlossen, also stattfinden wird das Festival. Ein Jubiläumsfestival, das sich Wien verdienen würde, sehe ich absolut gefährdet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-15 16:23:14
Letzte Änderung am 2012-08-16 11:49:14


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