Wien. Der "Ideen-Generator", wie Ismael Ivo bei der Bilanzpressekonferenz das diesjährige Impulstanz-Festival bezeichnete, ging in seiner 29. Ausgabe am Sonntag zu Ende. Festival-Chef und Mitbegründer Karl Regensburger kämpft Jahr für Jahr um eine Erhöhung der Subventionen vonseiten der Gemeinde Wien und des Bundesministeriums. Erstmals jedoch fürchtet er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" um die Zukunft des internationalen Tanz-Treffens.

"Wiener Zeitung": Bei der Abschluss-Pressekonferenz hatte es den Anschein, als ob Sie die jetzige budgetäre Situation des Impulstanz-Festivals regelrecht verärgert.
Karl Regensburger: Man muss das jetzt schon einmal feststellen: Ich bin mir sehr bewusst, dass 2.450.000 Euro sehr viel Geld ist. Mehr als 100.000 Zuschauer sind aber auch sehr viel - und es werden jährlich mehr, obwohl ich mir die diesjährige Steigerung gar nicht erwartet hatte. Ich weiß, das hört man nicht gerne in Wien, aber städtische Initiativen erhalten pro Zuseher das Drei- bis Fünffache an Subventionen. Wenn man ihnen 80 oder 90 Euro pro Zuseher zugesteht, dann kann man nicht verlangen, dass wir mit 24 Euro auskommen. Ich missgönne niemanden seine Förderungen, aber wir bräuchten zumindest die Hälfte davon, was andere bekommen. Tatsache ist, dass wir seit Jahrzehnten zu wenig erhalten. Wir haben versucht, diese Lücke zu füllen.
Mit zusätzlichen Sponsorengeldern?
Sponsoren waren unterstützend, natürlich. Damit kann man aber kein Festival planen. Denn wenn es etwa zu einem Vorstandswechsel oder Ähnliches kommt, ist die Unterstützung wieder weg. Wir brauchen einfach eine solide Grundlage, um planen zu können. Ich muss schon sagen, wie wir uns teilweise veräußern, ich spreche da im Namen des Teams, das geht so nicht mehr.
Sie haben 2011 gesagt, das Festival hätte die budgetäre Fahnenstange erreicht. Nächstes Jahr heißt es 30 Jahre Impulstanz. Wie wollen Sie ein Jubiläum finanzieren?
Wir sind natürlich in der Planung, aber ich werde mich vom Jubiläumsgedanken nicht verführen lassen, um dann in den Konkurs hineinzuschlittern. Und wir sind auf dem besten Wege, wenn da nicht endlich etwas unternommen wird.
Letztes Jahr meinten Sie, 2,75 Millionen Euro würden Sie brauchen.
Das ist unverändert. Wir erhalten von der Stadt Wien jetzt 1,85 Millionen plus 150.000 Euro, die für die CPA (Choreographic Platform Austria, Anm.) zweckgebunden sind. Also wie im letzten Jahr, nur dass wir die CPA zusätzlich veranstaltet haben. So schauts aus. Die war schon ein ziemlicher finanzieller Brocken. Die jungen, kleineren Sachen kosten verhältnismäßig mehr. Ismael Ivo zu programmieren macht mir kein Kopfzerbrechen. Er ist es ohnehin gewohnt, dass er keine Gage bekommt, wenn kein Geld da ist. So haben wir ja auch angefangen, so haben wir dieses Festival aufgebaut. Aber so will ich auch nicht weiterarbeiten. Ich liebe Wien, aber es ist nicht die einzige Stadt auf dieser Welt.
Heißt das, dass Sie sich vorstellen könnten, dieses Performance-Festival woanders aufzuziehen? Etwa in Venedig, wo Ismael Ivo Chef der Tanz-Biennale ist?
Venedig nicht, aber es gibt Gespräche mit Sao Paulo oder auch Shanghai. Ich würde das sehr gerne mit Wien verbinden, aber . . .
An Anerkennung und Auszeichnungen mangelt es ja nicht.

Ja, aber das muss sich irgendwann auch im Gerstel für das Festival niederschlagen. Impulstanz braucht es wirklich, wirklich. Es ist nicht lustig, ständig im Banküberzug zu sein. Und irgendwann - vielleicht hat das auch mit meinem fortschreitenden Alter zu tun - ermüdet mich diese Situation. Ich würde mir wünschen, dass man Ismael und mir weniger Professoren-Titel, Tourismus-Medaillen und Kreuze umhängt, sondern dass man auch uns an eine Förderung pro Zuseher heranführt, wie es andere städtische Events erhalten.
Ist das 30-jährige Jubiläum in Gefahr, gar nicht stattzufinden?
Die Grundsubvention ist mit 1,85 Millionen Euro bereits beschlossen, also stattfinden wird das Festival. Ein Jubiläumsfestival, das sich Wien verdienen würde, sehe ich absolut gefährdet.
Ein Entkommen gibt es nicht, schon gar nicht für Veranstalter: Ein jedes Opernhaus, so scheints, steht im 200...weiter
Seelisch kriegsversehrt 1916 aus Galizien heimgekehrt in das bald von den Siegermächten konstruierte Königreich Jugoslawien...weiter
"Ich erfand Geschichten und gelangte durch sie zur Realität", stellte einst der französische Filmemacher Jean-Luc Godard fest: "Aber hinter der...weiter
Ein Entkommen gibt es nicht, schon gar nicht für Veranstalter: Ein jedes Opernhaus, so scheints, steht im 200...
weiter
Am Ende wird der Horst der Freischärler, die Schule, von ihnen selbst abgefackelt. Die Matratzen und Schulmöbel werdend um Norma und Pollione...
weiter