"Wiener Zeitung": 2006 eröffneten Sie das 3-raum-theater im dritten Gemeindebezirk. Nun läuft der Vertrag mit der zuständigen Musikuniversität aus, Sie selbst beenden mit der heutigen Premiere von "Bunbury" Ihre Arbeit am Haus. Wie lautet Ihre Bilanz?
Hubert Kramar: Ich hatte enormes Glück, dass sich die Arbeit von Beginn an großartig gestaltete, wir auch regelmäßig ausverkauft waren. Glück kann bekanntlich unabhängig von den Anstrengungen, die man leistet, abreißen. Primär ging es mir aber nicht um Erfolg - Misserfolge können bisweilen viel lehrreicher sein. Mir geht es vielmehr darum, miteinander etwas zu machen, das der Gesellschaft von Nutzen ist. Im Grunde ist Theater Kommunikation und löst im Idealfall breite Diskussionen über gesellschaftspolitisch relevante Themen aus - und das ist uns hier durchaus geglückt. Dann lohnen sich 18-Stunden-Tage, der ganze Wahnsinn und die Selbstausbeutung, die von einer so kleinen Bühne zwangsläufig eingefordert werden. Selbst Kloputzen und Tschick-Aufheben zahlen sich irgendwie aus. Schließlich gehört auch viel Glück dazu, seiner idealistischen Position treu bleiben zu können.
Offenbar funktioniert das Theater bestens. Warum hören Sie auf?
Ich bin ein Theaternomade, suche gern vorübergehend leer stehende Räume auf, das habe ich etwa im Kabelwerk oder im heutigen Dschungel im Museumsquartier schon praktiziert. Die zeitlich begrenzte Zwischennutzung kommt meiner Arbeitsweise zupass.
Was schätzen Sie an den drei Sälen des 3-raum-theaters?
Die Schönheit der Räume, ihren Spirit, ihre Geister.
Welche Geister sind Ihnen hier denn begegnet?
Seinerzeit waren hier die anatomischen Säle der Veterinärmedizin untergebracht. An der Decke kann man noch die Vorkehrungen zum Aufhängen der Tierkadaver sehen. Das hat etwas Grausames, das zugleich auf die Poesie der Jugendstilästhetik des Gebäudes trifft. Das macht für mich Theater im Kern aus: die Verbindung von Grausamkeit und Poesie.
Wo liegen die weiteren Grundlagen Ihres Theaterverständnisses?
Der Holocaust ist wesentlich für mein Denken und Arbeiten. Angesichts der jüngeren Geschichte muss man sich doch permanent fragen: Wie konnte das möglich sein? Warum ist die Menschheit so beschaffen, dass sie zu solchen Gräueln fähig ist?
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