Alle guten Dinge sind drei, sagt man. Nach "Dornröschen" und "Schwanensee" endete am Sonntagabend die Nurejew-Tschaikowski-Trilogie des Wiener Staatsballetts: "Der Nussknacker" in der Version des legendären Tanzstars feierte seine erste Aufführung an der Wiener Staatsoper.
Ja, das Ballett der Eleven ist putzig und sehr gut einstudiert. Ja, die Kostüme glitzern und schillern beeindruckend. Ja, Tschaikowskis Partitur ist einzigartig und wird vom Orchester der Staatsoper unter Paul Connelly mit Verve und hohem Tempo dargeboten. Und ja, jeder einzelne Solist zeigt Nurejews heikle Schrittvariationen auf hohem Niveau. Dementsprechend würde man diesen "Nussknacker" auch gern als Gesamtkunstwerk sehen - und weniger die missglückten Details registrieren.
Außer Frage steht, dass Nurejews Inszenierung aus 1967 für das Königlich Schwedische Ballett zu den beliebtesten, aber auch herausforderndsten zählt. 1985 von Nurejew für das zu dieser Zeit von ihm geleitete Ballett der Pariser Oper einstudiert, ist diese Version auch eng mit der Karriere von Staatsballett-Chef Manuel Legris verknüpft, der einmal mehr die Proben leitete. Präzision ist seine Handschrift, die jedoch nicht durchgängig zu erkennen war.
In Nurejews Fußstapfen
Exakt- und Sicherheit vermittelt die Erste Solistin Liudmila Konovalova in der Hauptrolle Clara, die von Patenonkel Drosselmeyer zum Weihnachtsfest einen Nussknacker geschenkt bekommt. Bei Nurejew wird dieser humpelnde Alte in den Träumen des Mädchens zum Prinzen - Vladimir Shishow zeigt seine wahrscheinlich bisher beste Bühnenperformance in dieser Rolle. Dennoch ist es neben einer Technikerin wie Konovalova und in den Fußstapfen eines Nurejews nicht gerade leicht zu bestehen. Emotionen zwischen den beiden wurden erst beim tosenden Schlussapplaus sichtbar.
Nach der Erzählung von E.T.A. Hoffmann kämpft der Prinz in Claras Träumen gegen den Rattenkönig, danach stürmen die Schneeflocken gehetzt über den offensichtlich rutschigen, flöckchenübersäten Boden - außer Prisca Zeisel und Alena Klochkova, die Nurejews eilige Schritte perfektionieren. Auch etwa der Spanische und Arabische Tanz demonstrieren kunstvolles Ballett.
Hastig scheint dann der "Rosenwalzer" für das Ensemble, bei dem sich schon einmal ein Arm in die Perücke der Partnerin verirrt. Gemessen wird hier am internationalen Niveau renommierter Opernhäuser, das man seit der Ära Legris mehr und mehr als selbstverständlich sieht. Dazu braucht es aber diesmal noch Routine, die sich passend zum Weihnachtsballett bis in den Advent sicherlich einstellen wird.
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