• vom 17.04.2013, 17:27 Uhr

Bühne

Update: 17.04.2013, 17:56 Uhr

Theater

"Etwas Großes werden"




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Von Petra Paterno

  • Probenbesuch bei Jacqueline Kornmüllers Inszenierung "Das Kind" am Volkstheater
  • Die Theatermacher befragten 365 Menschen nach ihrer Kindheit.

"Im Grunde geht es bei Erziehung doch immer um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern", meint Regisseurin Jacqueline Kornmüller. Im Bild eine Polsterschlacht aus "Das Kind".

"Im Grunde geht es bei Erziehung doch immer um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern", meint Regisseurin Jacqueline Kornmüller. Im Bild eine Polsterschlacht aus "Das Kind".© Helmut Wimmer "Im Grunde geht es bei Erziehung doch immer um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern", meint Regisseurin Jacqueline Kornmüller. Im Bild eine Polsterschlacht aus "Das Kind".© Helmut Wimmer

Wien. "Mit Papa spielen, das war für mich immer etwas Besonderes, nichts Normales, weil es eben so selten war", sagt Peter und erzählt weiter von jenen raren Momenten, wenn sein Vater etwa während der Sommerurlaube mit ihm Späße getrieben hat. Doch seine Kindheitserinnerungen nehmen bald eine jähe Wendung. Auch bei Helmut tritt nach und nach Ungeheuerliches zutage, auf offener Bühne demonstriert er zunächst, wie man Babys am besten in den Schlaf wiegt. Doch die Schicksale der Allerkleinsten, denen er so fachmännisch beisteht, sind erschütternd. Helmut betreut misshandelte und missbrauchte Kleinkinder, bevor sie Pflegefamilien übergeben werden.


Es sind Kinder, wie Günter einmal eines war, der in der Theateraufführung von seinen diversen Aufenthalten in Wiener Kinder- und Jugendheimen berichtet und für die Zuschauer einige Stationen des Grauens rekapituliert, in denen er groß geworden ist.

Erziehung ist Beziehung
Diese Kindheitsgeschichten stammen aus Jacqueline Kornmüllers jüngstem Theaterprojekt "Das Kind", das am Freitag (19. April) im Volkstheater uraufgeführt wird. 365 Menschen, die sich auf einen Castingaufruf hin gemeldet haben, hat die deutsche Regisseurin über ihre Kindheit befragt, 30 werden ihre Erlebnisse in ihren eigenen Worten auf der Bühne präsentieren. "Im Grunde geht es bei Erziehung doch immer um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern", fasst die Theatermacherin den Abend im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" zusammen.

Die freiwilligen Selbstdarsteller sind sechs bis 65 Jahre alt, stammen aus zwölf Nationen und beleuchten ihre erste Lebensphase nicht nur rückblickend, fünf Kinder und fünf Jugendliche erzählen unmittelbar aus ihrem gegenwärtigen Leben.

Jeronimo träumt beispielsweise davon, einmal "etwas Großes zu werden". Nicht nur die Katastrophen der Kindheit, auch Verträumtes, Verspieltes und Alltägliches - wie die Frage des Stillens - kommen hier auf die Bühne.

"Das Kind" ist der dritte und vorläufig letzte Teil einer Doku-Drama-Trilogie des Künstlerduos Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf, die Gründer und Leiter der freien Wiener Theatergruppe "wenn es soweit ist".

Teil eins zum Thema Alter fand im Schauspielhaus Hamburg statt, im zweiten Teil, "Die Reise", 2011 am Volkstheater uraufgeführt, ging es um Lebensläufe von Asylanten und Migranten. Nun widmen sich die beiden dem Kindsein und Elternsein, also dem Kreislauf der Erziehung.

Von Höhen und Tiefen
"Auffallend war, dass zwei von drei Befragten zunächst behauptet haben, sie hätten eine schöne Kindheit erlebt", resümiert Peter Wolf die Vorbereitungsgespräche mit den Interessierten, "aber kaum fragt man ein paar Mal nach, tauchen ganz andere Aspekte auf." Während der mehrmonatigen Arbeit an dem Projekt hat Wolf den Eindruck gewonnen, dass die eigene Kindheit häufig zu wenig hinterfragt werde, viele würden sich zu wenig mit ihren Ursprüngen beschäftigen - "dabei liegt darin ein großes Potenzial", meint der Theatermacher.

"Geht es nicht einfach darum, zu akzeptieren, wie die Kinderjahre gelaufen sind und das Beste daraus zu machen", fragt sich Jacqueline Kornmüller und merkt an, dass eine glückliche Kindheit mittlerweile beinahe ein gesellschaftliches Diktat geworden ist. "Aber machen wir uns doch nichts vor", so Kornmüller, "die Kindheit ist auch nur eine Lebensphase, die von Höhen und Tiefen geprägt ist, wie jede andere auch."




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Dokument erstellt am 2013-04-17 16:20:06
Letzte Änderung am 2013-04-17 17:56:08



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