• vom 26.06.2013, 15:21 Uhr

Bühne


Edita Gruberova

La Gruberova: Mehr als nur Schöngesang




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Von Oliver Schneider


    Weite Legatobögen: Gruberova in Zürich.

    Weite Legatobögen: Gruberova in Zürich.© Monika Rittershaus Weite Legatobögen: Gruberova in Zürich.© Monika Rittershaus

    Wenn Richard Wagner im Mittelpunkt der heurigen Zürcher Festspiele steht, ist die szenische Premiere von Vincenzo Bellinis "La straniera" im Opernhaus - koproduziert mit dem Theater an der Wien - eine passende Ergänzung. In seiner vierten Oper verwendet der aus Catania stammende Komponist das Prinzip der geschlossenen Form noch radikaler als in seinen anderen Bühnenwerken. Und gerade dieses Prinzip erregte ja Wagners Begeisterung für den italienischen Romantiker und war ihm Vorbild.


    Die Handlung mag für den heutigen Zuschauer reichlich an den Haaren herbeigezogen sein. Graf Arturo soll die Tochter Isoletta eines verarmten Adeligen heiraten, liebt aber die in den Wäldern zurückgezogen lebende Alaide. Am Ende entpuppt sich diese als ins Exil verbannte, nun aber wieder rechtmäßige Königin Frankreichs, die die Heirat von Arturo und Isoletta wünscht. Arturo flieht jedoch vom Hochzeitsfest zu Alaide und ersticht sich vor ihren Augen.

    Edita Gruberova hat die Alaide bereits konzertant in München und Wien gesungen. Ihr szenisches Debüt war nun quasi ihr Geschenk zum 45-Jahr-Bühnenjubiläum. Und sie reüssierte wieder einmal, wenn auch die lange Karriere trotz aller Vorsicht und neuer Technik nicht spurlos an ihrer Stimme vorbeigegangen ist. Aber beim Gestalten einer Partie geht es ihr schon lange nicht mehr nur um Schöngesang, sondern um das möglichst vollkommene Erfassen des Charakters einer Rolle. Es ist unglaublich, wie die Gruberova heute mit ihren Stimmfarben spielen, welche endlosen Legatobögen sie formen kann und wie sie Zwischentöne zu erfassen weiß. Und: Welche andere Sängerin oder welcher andere Sänger wagt sich im fortgeschrittenen Spätherbst der Karriere noch an Rollendebüts im angestammten (!) Fach? Das Opernhaus Zürich hat die Gruberova in ein ebenso feines Ensemble eingebettet. Dario Schmunck gibt den unglücklichen Arturo mit flexiblem und geschmeidigem Tenor, Veronica Simeoni punktet in der undankbaren Rolle der Isoletta im zweiten Akt mit schön ausgeformten Koloraturpassagen. Franco Vassallo stattet Arturos Freund Valdeburgo mit sonorer Resonanz aus und erweist sich im Laufe des Abends als Alaides Bruder. Fabio Luisi zeigt am Pult der Philharmonia Zürich viel Gespür für die fließende und dichte Musik Bellinis, weiß romantisches Sentiment mit dem Orchester zu entwickeln und immer wieder dramatisch zuzuspitzen.

    Tiefe Blicke ins
    Innenleben der Charaktere
    Für Regisseur Christof Loy stand die "Straniera" mit Edita Gruberova schon lange auf dem Wunschzettel. Er erzählt die Geschichte als Rückblende. Zum kurzen Orchestervorspiel betrauern Alaide und Isoletta den toten, auf dem Boden liegenden Arturo. Anschließend lässt Loy die nicht ganz glaubwürdigen Geschehnisse in einem Theater auf dem Land wohl zur Entstehungszeit spielen, wo Prospekte von der bretonischen Küste und vom Wald die Orte der Handlung andeuten (Bühne: Annette Kurz, Kostüme: Ursula Renzenbrink).

    Spätestens, wenn Arturo glaubt, Valdeburgo als Rivalen um Alaide getötet zu haben, kippt das Ganze aber ins Reale. Eine Gerichtsverhandlung, in der Alaide des Mordes an Valdeburgo angeklagt wird, bis Arturo auftaucht und sich schuldig bekennt, ist die bittere Wirklichkeit. Christof Loy macht in seinem Setting nicht nur das Beziehungsgeflecht zwischen den Personen deutlich, sondern blickt tief in das Innenleben der Charaktere - vor allem in jenes von Alaide, die am Ende selbstverständlich ihre große Schlussszene hat.

    Oper

    La straniera

    Von Vincenzo Bellini

    Zürcher Festspiele

    www.opernhaus.ch

    2015 im Theater an der Wien




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    Dokument erstellt am 2013-06-26 15:26:07



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