• vom 26.07.2013, 17:19 Uhr

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Update: 28.07.2013, 09:27 Uhr

Salzburger Festspiele

"Ich bin infiziert von der Oper"




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Von Christoph Irrgeher

  • Regisseur Alvis Hermanis im Gespräch
  • Erste Opernpremiere bei den Salzburger Festspielen.

Marode Technikwelt versus Natur: Harrison Birtwistles Oper "Gawain" in Salzburg. - © epa

Marode Technikwelt versus Natur: Harrison Birtwistles Oper "Gawain" in Salzburg. © epa

Salzburg. Wie sich die Bilder doch gleichen. Salzburg, im Sommer 2012: Der Regisseur Alvis Hermanis legt Hand an eine Oper des 20. Jahrhunderts. Arbeitsort: die historischen Weiten der Felsenreitschule. Der Dirigent: Neutonspezialist Ingo Metzmacher. Das Endresultat: ein Bombenerfolg.

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Festspiel-Eröffnung

Stimmen und Instrumente besiegen Drogen und Gewalt, und sie stemmen sich auch der Armut entgegen - das war der Kerngedanke der Rede von José Antonio Abreu zur Eröffnung der Salzburger Festspiele am Freitag Vormittag in der Felsenreitschule. Der 74-jährige Eröffnungsredner ist Gründer von "El Sistema", eines Bildungsprojekts aus Venezuela, das mit 1350 jungen Chor-Sängern und Orchester-Musikern 14 Konzerte geben. wird. Begonnen haben die 93. Salzburger Festspiele bereits vor einer Woche mit der "Ouverture spirituelle". Auch Kulturministerin Claudia Schmied bezog sich auf das Vorbildprojekt "El Sistema" und meinte, dass diese Initiative für die Hoffnung stehe, die Kunst jungen Menschen gebe.

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer appellierte an das Publikum: "Hören wir nicht auf, diese Welt besser, gerechter und menschenwürdiger zu machen." Bundespräsident Fischer brach in seiner Rede eine Lanze für Europa und forderte, ehe er die Festspiele für eröffnet erklärte: "Politik muss genauso international sein wie Kunst."

Den musikalischen Rahmen der Festspieleröffnung bildeten Werke der "Jahresregenten" Giuseppe Verdi und Richard Wagner sowie Werke von Alberto Ginastera und Leonard Bernstein, interpretiert von rund 190 Musikern des Youth Orchestra of Caracas unter der Leitung von Dietrich Paredes. Sie spielten eingangs auch die österreichische Bundeshymne.

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Salzburg, im Sommer 2013: Die gleichen Erfolgszutaten stehen im Raum. Nur heißt die moderne Oper diesmal anders. Bernd Alois Zimmermanns "Soldaten" sind abgerückt, stattdessen reitet "Gawain" ein. Es ist dies ein Ritter, den der britische Komponist Harrison Birtwistle (Jahrgang 1934) in den Rang einer Opernfigur erhoben hat. Die düstere Geschichte über Begierde, Intrigen und zwei Kämpfe mit einem magischen Gegner stammt ursprünglich aus dem Umkreis der Artus-Sage. Und ist - zugegeben - hierzulande ziemlich unbekannt.

Das weiß auch Hermanis. Die Pflicht, das Stück darum möglichst unverfremdet auf die Riesenbühne zu stellen, leitet er daraus aber nicht ab. Im Gegenteil. "Wir mussten eine zusätzliche Geschichte erfinden", sagt der lettische Regisseur im Interview, "denn sonst wäre ‚Gawain‘ nur ein Märchen für Kinder." Ein Märchen, dem er aber doch Symbolkraft attestiert: "Eigentlich ist das eine Geschichte über den Konflikt zwischen Natur und Christentum. In unserer Erzählung graben wir noch tiefer: Es geht um den Konflikt zwischen der heutigen Gesellschaft und der Natur." Letztere wird in der Felsenreitschule durch den Grünen Ritter repräsentiert - jenen geheimnisumwitterten, magischen Gegner von Gawain.

Joseph Beuys, der Ritter

Hunde statt Pferde: Regisseur Alvis Hermanis.

Hunde statt Pferde: Regisseur Alvis Hermanis.© apa/Barbara Gindl Hunde statt Pferde: Regisseur Alvis Hermanis.© apa/Barbara Gindl

Steht der Titelheld also im Umkehrschluss für unsere Gesellschaft? Ja, sagt Hermanis. Es wäre allerdings keine Arbeit des global erfolgreichen Theatermachers, lägen die Dinge gar so einfach. Hermanis, berüchtigt nicht zuletzt für seine Spielfreude mit Versatzstücken der Kulturgeschichte, verpasst Gawain das Gesicht der Künstler-Ikone Joseph Beuys. Warum? "Meiner Meinung nach war Beuys ein Birtwistle der bildenden Künste. Beide setzen sich in ihrem Werk mit der Problematik von Natur und Zivilisation auseinander." Und außerdem: "Birtwistles Musik ist sehr eng mit der Natur verbunden, die Energie kommt aus der Erde. Für mich sind die beiden wie Zwillingsbrüder."

Für Überraschungen sorgt Hermanis, dessen internationale Karriere bereits in Salzburg begonnen hatte (als Sieger des Young Directors Project 2003), aber nicht nur mit seiner neuen Regie. Er frappierte heuer auch schon mit einer Entscheidung: Der bisher vor allem als Theaterregisseur und -autor Gefeierte wird in den nächsten vier Jahren nur Oper inszenieren, jedenfalls außerhalb Lettlands. Eine Reaktion auf Verrisse, wie es sie nach dem "Weiten Land" im Burgtheater setzte? Nein: "Ich habe nur schöne Erinnerungen ans deutschsprachige Theater." Seit den "Soldaten" fühlt sich Hermanis aber "von der Oper infiziert. Ich lerne so viel, fühle mich wieder wie ein Student." Wobei es ihn auch nicht stört, auf die Freiheit des Autors zu verzichten. Gerade die Arbeit im engen Werkkorsett sei das Reizvolle an der Oper. Und ihm würde dabei gewiss nicht fad, weil er stets auch als Ausstatter arbeite: "Musik zu visualisieren - das ist das Aufregendste für mich."

Apropos: Zu diesem Behufe hatte er im Vorjahr Pferde in die Felsenreitschule gebracht. Wären die für "Gawain" nicht eigentlich passender? Der Lette lächelt: "Das würde nicht noch einmal funktionieren. Aber - wir haben diesmal Hunde."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-07-26 15:23:05
Letzte Änderung am 2013-07-28 09:27:44


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