• vom 07.08.2013, 17:08 Uhr

Bühne

Update: 07.08.2013, 17:26 Uhr

Oper

(Joh-)Annas Himmelfahrt




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Von Christoph Irrgeher

  • "Giovanna D’Arco" begeisterte, hochkarätig besetzt, bei den Salzburger Festspielen

Umjubelte Publikumsmagneten: Anna Netrebko und Plácido Domingo in der Salzburger Felsenreitschule.

Umjubelte Publikumsmagneten: Anna Netrebko und Plácido Domingo in der Salzburger Felsenreitschule.© apa/Neumayr/MMV Umjubelte Publikumsmagneten: Anna Netrebko und Plácido Domingo in der Salzburger Felsenreitschule.© apa/Neumayr/MMV

Was tun mit lästigen Eltern im Sommer? Falls deren Kontostand hoch ist und der Kulturanspruch entsprechend, dann sende man sie am besten zu den Salzburger Festspielen. 280 Veranstaltungen in einem Sommer; Animation vom Nachmittag bis zum späten Abend - auch unter der Woche! In den Intendantenjahren des Alexander Pereira darf man Salzburg vielleicht das luxuriöseste Ferienspiel der Welt nennen. Andererseits: Es dürfte auch sein Gutes haben, dass diese Programmfülle (Pereira geht ja nach dem Sommer 2014, das Wort "Redimensionierung" steht schon im Raum) wohl insgesamt nur drei Jahrgänge gewährt haben wird - zu kurz, um die Rekorde im Zement der Selbstverständlichkeit zu fixieren. Andernfalls käme danach vielleicht das böse Wort von Salzburger Restspielen auf.

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Zwei glamouröse PS
Eine Paradedisziplin des Noch-Intendanten sind freilich auch große Namen, und auf diesem Felde auch etwas, das man, nun ja, kompensatorische Besetzungspolitik nennen könnte. Die Prämisse dahinter: Je unbekannter ein Werk, desto wichtiger die Suche nach glamourösen Zugpferden. Fand Pereira für Mozarts "Lucio Silla" das Auslangen mit einem illustren PS (namentlich Rolando Villazón), hat er für die konzertante Premiere von Verdis "Giovanna D’Arco" am Dienstag nun gleich zwei vorspannen lassen - nämlich Anna Netrebko und Plácido Domingo.

Die Befürchtung, einer ansonsten nichtssagenden Aufführung beizuwohnen, stellte sich in der Felsenreitschule aber als gegenstandslos heraus. Zwar mag man bezweifeln, ob Verdis siebente Oper (1845) einer Inszenierung bedarf. Ein konzertantes Kennenlernen lohnt aber allemal, schon allein wegen des Vergleiches. Wie in seinem ersten Operntriumph "Nabucco" verwandelte Verdi ein Libretto von Temistocle Solera in großformatigen Schall; ja, die "Giovanna" ist regelrecht ein Experimentierlabor für die Fragestellung, wie sich große Tableaux in musikalische Energie umsetzen lassen. Die eigentliche Hauptrolle - ob nun Geisterschwarm, Engelschar oder Volk - obliegt dem Chor. Auch die Hauptdarsteller suchen nur selten das innige Zwiegespräch. Psychologisch also nur begrenzt reizvoll? Mag sein, doch die Geschichte hat - mit kräftigen Anleihen bei Schillers "Jungfrau von Orleans" -dramatische Wirkung.

Für glaubwürdiges Gefühl bürgt dann vor allem Netrebko als heilige Johanna - und vielleicht ist es ja genau dies, was die Austro-Russin auf den Olymp der Klassikindustrie bugsiert hat: diese Kunst, eine Gesangsphrase zu allererst emotional zu durchbluten. Nicht zu sprechen freilich von der Agilität dieses weiterhin in jeder Lage tragfähigen Soprans: stupend, wenn Netrebko urplötzlich ein Fortissimo in einen glaszarten Klang verwandelt. Nachvollziehbar somit auch, dass sich die Netrebkophilie zuletzt wieder auf ein Höchstmaß steigert, wenngleich es die Umjubelte mit der Intonation bisweilen nicht allzu genau nimmt. Am Ende singt sie, Johanna, doch auch irgendwie Anna, in ihrem güldenen Kleid apotheotisch aus den Arkaden der Felsenreitschule.

Jungbrunnen Domingo
Ein Phänomen auch Domingo: Noch Anfang Juli wegen einer Lungenembolie im Krankenhaus, strotzt der 72-Jährige mit dem süffigen Bari-Tenor nur so vor Sangeskräften. In Francesco Meli hat er ein würdiges Gegenüber: Der singt den König Carlo mit einer tenoralen Inbrunst und Spannkraft, als ginge es bei jedem Ton um nationales Gedeih und Verderb. Während der Philharmonia Chor Wien wirkmächtig, doch nicht immer mit letzter Präzision unterstützt, liefert das Münchner Rundfunkorchester routinierte Begleitdienste: Schmissig und schneidig klang es unter Paolo Carignani, beizeiten auch heiter prickelnd. Zuletzt natürlich vor allem tosender Applaus für die Zugpferde. Und eine schöne Geste: Domingos Blumenstrauß - er ging an eine Violinistin in der letzten Reihe.

Oper konzertant

Giovanna D’Arco

Von Giuseppe Verdi

Salzburger Festspiele

Wh. am 10. und 13. August (ausverkauft)




Schlagwörter

Oper, Salzburger Festspiele

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-08-07 17:11:12
Letzte Änderung am 2013-08-07 17:26:03



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