• vom 04.09.2013, 16:24 Uhr

Bühne


Haydntage

Nicht für Reich und Schön




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Lena Draiæ

  • Die Haydntage in Eisenstadt sehen sich nicht nur für die "Gassenhauer" zuständig
  • Walter Reicher, seit 25 Jahren Intendant, im Gespräch.

Nur wenn es ums Geld geht, wird der milde Intendant Walter Reicher ärgerlich. - © Carlos de Mello

Nur wenn es ums Geld geht, wird der milde Intendant Walter Reicher ärgerlich. © Carlos de Mello

Musikfestivals beschäftigen die Öffentlichkeit nicht nur wegen des Programms - oft schlagen Wechsel in der Festivalleitung, nebst Mutmaßungen über vorzeitige Abgänge und potenzielle Nachfolger, publizistisch höhere Wellen als die künstlerische Qualität. Die Internationalen Haydntage in Eisenstadt stellen da eine Ausnahme dar: Seit 25 Jahren - so lange gibt es das Festival - obliegt seine Leitung dem Kulturmanager Walter Reicher. Doch nicht nur da unterscheiden sich die Haydn Festspiele von glamourösen Hochglanz-Veranstaltungen, wo sich Vertreter von Reich und Schön die Klinke in die Hand geben: Sie sind ein Festival, bei dem es weniger um große Namen geht als um die kontinuierliche Arbeit an einem Repertoire - auch abseits der "Gassenhauer", wie der Intendant betont: "Wir sind nicht nur für die "Schöpfung" und das "Kaiser-Quartett", sondern für das Gesamtwerk zuständig!"

Darm oder Stahl - egal
Und das sind immerhin 1200 Werke, mit denen das Publikum über die Jahre hinweg konfrontiert wird. Dabei seien von Anfang an Interpretationen das Ziel gewesen, die der musikalischen Qualität der Werke gerecht würden: "Haydn gehört zu den ganz Großen, somit verdient er auch, in Bezug auf die Qualität ganz oben angesiedelt zu werden." In die Grabenkämpfe zwischen Verfechtern von konventioneller und historischer Aufführungspraxis wollten sich die Festspiele nie einmischen: "Ob Darmsaiten oder Stahlsaiten ist egal, die Musiker müssen sich bestmöglich ausdrücken können." Alte-Musik-Experten wie Christopher Hogwood und Trevor Pinnock sind und waren in Eisenstadt ebenso zugegen wie Haydn-Experten, die auf modernen Instrumenten musizieren. Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der von Adam Fischer gegründeten Österreichisch-Ungarischen Haydn-Philharmonie zu, die das Festival von Anfang an geprägt hat.


Mit ihrer pluralistischen Haltung hinsichtlich diverser Interpretationsansätze hätten sich die Haydntage nicht nur Freunde gemacht: "Wir wurden deswegen auch angegriffen - von beiden Lagern." Mittlerweile hätten sich die "verfeindeten Truppen" einander aber angenähert, beide Seiten hätten voneinander gelernt. Für das Spiel auf Originalinstrumenten biete der Haydn-Saal im Schloss Esterházy optimale Bedingungen: "Bei uns kann man die Musik in der Originalbesetzung aufführen und sie kommt trotzdem wuchtig rüber." "Authentisch" sei auch die Temperatur, scherzt der Intendant: "Besuchern sage ich immer: Sie haben hier den Originalschauplatz, die Original-Akustik - und das Original-Klima!"

Konflikte sind fescher
Die Jubiläums-Ausgabe, die heute mit einem Konzert der Österreichisch-Ungarischen Haydn-Philharmonie startet, stellt mit "Haydn & Beethoven" das nicht immer spannungsfreie Verhältnis der beiden Komponisten in den Mittelpunkt. War Haydn neidisch auf seinen erfolgreichen Schüler, dem die Herzen der Wiener Aristokratie zuflogen? "Es war umgekehrt! Das ist wie im Märchen vom Hasen und vom Igel: Der Hase läuft sich zu Tode, und egal, wo er hinkommt - immer ist der Igel schon da." Natürlich habe es Spannungen gegeben, diese würden aber für gewöhnlich überbewertet: "Konflikte sind halt fescher, als wenn alles gut ist."

Finanziell habe das Festival mit fünf Hauptsponsoren derzeit eine sichere Basis, dennoch sei es in den letzten Jahren schwieriger geworden. Hier kann sich der milde Walter Reicher einen gewissen Ärger nicht verkneifen: "Auf der einen Seite werden Subventionen zurückgefahren, und wenn wir uns dann Sponsoren suchen, dürfen die durch dieses blödsinnige Anfütterungsverbot keine Kunden einladen." Dennoch blickt Reicher optimistisch in die Zukunft. Sein Wunsch für die nächsten 25 Jahre? "Wenn ich im Haydnjahr 2032 noch lebe, möchte ich bei manchen Konzerten in der vierten Reihe sitzen!"




Schlagwörter

Haydntage

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-09-04 16:37:07



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Leben in der demokratisierten Dachterrasse
  2. steiermark
  3. Die Ära des geilen Mannes
  4. "Schmeißen Sie die alten Klischees weg"
  5. "Man kommt gar nicht mehr hinterher"
Meistkommentiert
  1. Das Hosentürl zum Ruhm
  2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  3. Die Ära des geilen Mannes
  4. Schönheitskönigin
  5. Die Überwindung des Marianengrabens

Werbung



Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.

Werbung



Werbung


Werbung