• vom 01.10.2013, 16:22 Uhr

Bühne

Update: 01.10.2013, 16:24 Uhr

Oper

"Will nicht bemitleidet werden"




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Von Christoph Irrgeher

  • Der Tenor Jonas Kaufmann über kranke Sänger, pöbelnde Besucher und Giacomo Puccinis Western-Oper
  • Der deutsche Beau ist für die erste Staatsopern-Premiere der Saison gebucht.

Einsamer Westernheld: Jonas Kaufmann auf der Probebühne. Am Samstag soll er die Premiere von "La fanciulla del West" an der Seite von Nina Stemme singen; Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst dirigiert, Marco Arturo Marelli inszeniert.

Einsamer Westernheld: Jonas Kaufmann auf der Probebühne. Am Samstag soll er die Premiere von "La fanciulla del West" an der Seite von Nina Stemme singen; Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst dirigiert, Marco Arturo Marelli inszeniert.© Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn Einsamer Westernheld: Jonas Kaufmann auf der Probebühne. Am Samstag soll er die Premiere von "La fanciulla del West" an der Seite von Nina Stemme singen; Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst dirigiert, Marco Arturo Marelli inszeniert.© Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Wien. Den Liederabend am vorigen Sonntag musste er krankheitshalber absagen - doch an diesem Samstag wird ihn Wien wohl bejubeln können: Jonas Kaufmann, einer der hellsten Sterne auf dem Tenorhimmel, ist für die erste Staatsopernpremiere der Saison gebucht - Puccinis "La fanciulla del West" ("Das Mädchen aus dem goldenen Westen"). Der deutsche Beau gab der "Wiener Zeitung" im Vorfeld ein E-Mail-Interview - und zeigt sich in schriftlicher Form schon wieder vital.

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"Wiener Zeitung": Als Fan der Abwechslung dürften Sie Ihre Freude an "La fanciulla" haben. Aber hat es nicht Gründe, dass diese Oper von 1910 so selten gespielt wird - zum Beispiel fehlende Ohrwürmer?

Jonas Kaufmann:Das ist mit Sicherheit ein Grund! Eigentlich hätten die beiden großen Tenor-Szenen die Chance gehabt, ein Hit zu werden - wenn Caruso sie denn aufgenommen hätte! Doch ohne die weltweite Verbreitung via Schallplatte blieb "Fanciulla" doch eher eine Oper für Kenner und Liebhaber. Aber was für eine!

Das Stück schwelgt lustvoll in Western-Elementen, es bietet Banditen, eine Horde, eine Bar et cetera. Mögen Sie Western? Und macht’s Ihnen Spaß, einen Banditen zu spielen? Viele Menschen kommen ja nur im Kindesalter in diesen Genuss.

Als Kind habe ich all die Western-Klassiker mit John Wayne und Robert Mitchum gebannt am Fernseher verfolgt. Das hat sich inzwischen etwas gelegt. Was den "Banditen" bei Puccini betrifft: Ich sehe Dick Johnson als einen Mann, der auf die schiefe Bahn geraten ist. Hätte es in seiner Kindheit so etwas wie El Sistema (Musikschulwerk in Venezuela, Anm.) gegeben, wäre er wahrscheinlich ein erstklassiger Musiker geworden! Welches Potenzial in ihm steckt, hat Puccini wunderbar herausgestellt: Um zu zeigen, dass dieser Fremde ganz anders ist als die Goldgräber, denen die Wirtin Minnie eine mütterliche Freundin ist, hat er ihm ein musikalisches Profil gegeben, das sich von allen anderen deutlich abhebt: Wir hören da keinen kleinen Banditen, sondern einen weltgewandten Mann.

In München standen Sie heuer im Zentrum einer skurrilen War-das-jetzt-ein-hohes-C-oder-nicht?-Debatte. Ihr Kommentar dazu: So ein Detail (die diskutierte Arie wird öfter transponiert gesungen) hätte früher niemanden interessiert, doch heute "will man in jeder Suppe ein Haar finden". Sie beschwerten sich auch einmal über Leute, die während der Vorstellung gegen die moderne Regie pöbelten. Empfinden Sie das Publikum öfter als schwierig?

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-10-01 15:41:04
Letzte Änderung am 2013-10-01 16:24:53



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