• vom 02.10.2013, 15:55 Uhr

Bühne


Musical

Politisch korrekte Musical-Träume




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Von Lena Draiæ


    Klischee: Mit Pathos zum Happy End der Stereotypen.

    Klischee: Mit Pathos zum Happy End der Stereotypen.© L. Beck Klischee: Mit Pathos zum Happy End der Stereotypen.© L. Beck

    Polical Correctness, Nachhaltigkeit, Demokratie - das ist bekanntlich der Stoff, aus dem Musicals gestrickt sind. Nein, Halt: zumindest nicht, bis "Fariba" die Bühne des Muth eroberte, ein Musical, das sich so etwas wie die Quadratur des Kreises vorgenommen hat: Die brennenden Themen unserer Zeit sollen darin behandelt werden. Kinder sollen ihre künstlerischen Fähigkeiten erproben können. Und das in der Form eines Musicals, das so zu sein hat, wie ein Musical eben sein muss: mitreißend, kurzweilig, unterhaltsam.


    Ein ehrgeiziges Projekt, das sich Stephan Kerschbaum da vorgenommen hat. Die jugendlichen Mitglieder seines Chors Tonvoll spielen darin Jugendliche, die von der Lehrerin die Verbesserung der Welt als Hausaufgabe gestellt bekommen. Die Kids, die sich als veritable Revolutionäre entpuppen, wählen das Motto "Umverteilung" und setzten dieses in die Tat um, indem sie sich selbst innerhalb der Elternschaft "umverteilen". Durch das Experiment kann schließlich eine Familie vor der Delogierung bewahrt werden.

    An brisanten Inhalten bringt "Fariba"genugfür ein ganzes Weltsozialforum aufs Tapet. Mutig ist der revolutionäre Anstrich der Geschichte, löblich das Vorhaben, der Jugend politische Themen näherzubringen. So weit, so gut gemeint. Doch erwecken Sätze wie "die namenlosen Schreibtischtäter sind der meisten Krisen Väter" nicht den Eindruck, als seien sie einem Kinderhirn entsprungen oder könnten leicht in ein solches Eingang finden. Folgerichtig definiert Kerschbaum auch ältere Jugendliche und Erwachsene als Zielgruppe. Die Darsteller erfüllen also die Funktion des Kindermunds, der Wahrheit kundtut. Doch was, wenn diese Wahrheit so gar nicht kindlich klingt?

    Bleibt noch der anerkennenswerte Gedanke der Nachwuchsförderung - schließlich bekommen die jungen Sänger die Chance, ihre Talente vor Publikum unter Beweis zu stellen. Mit dem Orchester des Musikgymnasiums Neustiftgasse unter Johannes Kerschner leisten sie auch Beachtliches. In der Regie von Angelika Messner wird nicht nur wacker gespielt, sondern auch getanzt (Choreografie: Gisela Elisa Heredia). Doch trägt der laienhafte Charakter nicht eben zur Zugänglichkeit des sperrigen Unterfangens bei. Die tiefschürfendeStorykleidetKerschbaum in eine Musik, die akustische Instrumente und Synthie-Klänge zu einem synkopierten Feelgood-Sound kombiniert. Dass dieser wenig Überraschungen bietet, kann wiederum mit dem Ziel der Niederschwelligkeit entschuldigt werden. Dabei wird, um das Publikum bei der Stange zu halten, eine echte Lovestory serviert. Die in Stereotypen mündet: Am Schlussgehört die Bühne Dominik, der mit dem handelsüblichen Pathos seine Liebe zu Fariba besingt. Dem revolutionären Anspruch zum Trotz triumphiert das Klischee.

    Musical

    Fariba

    Von Stephan Kerschbaum

    Muth

    Wh. bis 22. Oktober




    Schlagwörter

    Musical, Fariba

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    Dokument erstellt am 2013-10-02 15:59:06



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