• vom 03.01.2014, 16:31 Uhr

Bühne


Theaterjubiläum

"Die Idee hat Potenzial"




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Von Petra Paterno

  • Am 5. Jänner 2014 feiert das Volkstheater in den Bezirken sein 60-Jahr-Jubiläum
  • Wien wächst - wächst das traditionelle Volkstheater in den Bezirken mit?

"Theater zum Preis einer Kinokarte": Das Bild oben links zeigt Traute Wessler und Harry Fuss in "Helden", der Eröffnungspremiere 1954, darunter ist Bezirke-Leiterin Doris Weiner zu sehen, das undatierte Archiv-Foto rechts zeigt einen Bühnenaufbau in Wien-Hietzing.

"Theater zum Preis einer Kinokarte": Das Bild oben links zeigt Traute Wessler und Harry Fuss in "Helden", der Eröffnungspremiere 1954, darunter ist Bezirke-Leiterin Doris Weiner zu sehen, das undatierte Archiv-Foto rechts zeigt einen Bühnenaufbau in Wien-Hietzing.© Wienbibliothek (o.), Brandensteiner, Adi Lukan (u.) "Theater zum Preis einer Kinokarte": Das Bild oben links zeigt Traute Wessler und Harry Fuss in "Helden", der Eröffnungspremiere 1954, darunter ist Bezirke-Leiterin Doris Weiner zu sehen, das undatierte Archiv-Foto rechts zeigt einen Bühnenaufbau in Wien-Hietzing.© Wienbibliothek (o.), Brandensteiner, Adi Lukan (u.)

Wien. Am 5. Jänner 1954 wurde ein neues Kapitel der Wiener Theatergeschichte aufgeschlagen. Im Stadlauer Franz-Novy-Heim fand die erste Aufführung des Volkstheaters in den Bezirken (damals noch unter dem Namen: Volkstheater in den Außenbezirken) statt - am Spielplan: "Helden" von George Bernard Shaw, auf der improvisierten Bühne Publikumslieblinge wie Dorothea Neff und Lotte Ledl, der Saal bis auf den letzten Platz ausverkauft.

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Das Credo des Theaterversuchs: Bühnenspiel mit Niveau zum Preis einer Kinokarte in Wiener Randbezirke bringen, das erklärte Zielpublikum war die Arbeiterschaft. Bald fanden die kulturellen Nahversorger ein treues Stammpublikum. In den Anfangsjahren hätten Zuschauer - so besagt eine Anekdote - ihren Lieblingsschauspielern sogar selbst gebackenen Kuchen und hausgemachte Marmelade mitgebracht.

Theater für neue Bezirke
Bis heute hielt sich die weltweit einzigartige Theatereinrichtung, noch immer ist ein Abo im Schnitt günstiger als ein Kinobesuch. Gerade in der gegenwärtigen Entwicklung der Stadt könnte die szenische Stadtteilarbeit eine besondere Rolle einnehmen.

Doris Weiner, Volkstheater-Schauspielerin und Bezirke Leiterin, würde ihren Tätigkeitsbereich gern ausweiten und mit speziellen Angeboten, etwa in Zusammenarbeit mit VHS-Deutschkursen, auch vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen.

Wien wächst derzeit und die neuen Stadtbezirke wie das Sonnwendviertel und vor allem die Seestadt Aspern möchte Weiner in das Bezirke-Angebot integrieren. "Die Idee der theatralen Bezirksarbeit hat auf alle Fälle Potenzial", resümiert Weiner.

Gegründet wurde das Unternehmen durch die Arbeiterkammer, den ÖGB und das Kulturamt der Stadt Wien. Federführend war der damalige Volkstheater-Direktor Leon Epp, einer der engagiertesten und profiliertesten Intendanten seiner Zeit. Er wollte die Stücke auch zu jenen bringen, denen für die Großbühnen das Geld fehlte oder die sich im Pomp und Plüsch der Innenstadtbühnen womöglich deplaciert fühlten.

"Wenn Sie nicht zu uns kommen, kommen wir zu Ihnen. Sie entgehen uns nicht", fasst Volkstheater-Doyenne Hilde Sochor die Idee pointiert zusammen. Auch Sochor absolvierte in ihrer langjährigen Bühnenlaufbahn zahlreiche Tourneen durch die Bezirke.

"Fast schon familiär"
Die Zahl der Aufführungsorte variierte im Lauf der wechselvollen Geschichte, im Schnitt wird an über 20 Spielstellen in 15 Wiener Gemeindebezirken gespielt - von Ottakring bis Simmering, von Liesing bis Floridsdorf - zumeist in VHS-Einrichtungen. Das Wandertheater ist vor allem für Bühnenbildner eine Herausforderung. 2001 kam es zu einer drastischen Subventionskürzung der Arbeiterkammer von 17 auf zwei Millionen Schilling, zwischenzeitlich entfiel diese Unterstützung ganz. Das Bezirke-Theater stand vor dem Aus und die Abonnenten setzen sich mit Unterschriftenlisten für den Erhalt ein. Daraufhin übernahm die Stadt Wien die Finanzierung. Gegenwärtiger Kostenpunkt: 799.000 Euro für fünf Premieren, die Auslastung durch Abonnenten liegt bei über 80 Prozent.

Das Erfolgsrezept basiert auf einer speziellen Form der Kommunikation, die anders funktioniert als in Innenstadtbühnen. "Die Aufführungen in den Bezirken sind fast schon familiär", sagt Weiner. "Nachbarn und Bekannte aus dem Grätzel treffen einander."




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Dokument erstellt am 2014-01-03 16:35:07



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