• vom 12.01.2016, 21:59 Uhr

Bühne


Interview

"Keine Sesselkleber"




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Von Petra Paterno

  • Das TAG-Leitungsteam über die wechselvolle Geschichte der Wiener Mittelbühne.

"Genug Spielraum": Das TAG-Leitungsteam Gernot Plass (l.) und Ferdinand Urbach. - © Irene Petzwinkler

"Genug Spielraum": Das TAG-Leitungsteam Gernot Plass (l.) und Ferdinand Urbach. © Irene Petzwinkler

Wien. In der zerklüfteten Wiener Theaterlandschaft - neben den Großbühnen gibt es eine Vielzahl an Klein- und Mittelbühnen und ein Heer an freien Gruppen - nimmt das Theater in der Gumpendorferstraße (kurz: TAG) eine besondere Stellung ein. Nach prekären Anfangsjahren als Theaterkooperative unter einer siebenköpfigen Leitung hat die Mittelbühne (vormals: Gruppe 80) mit bemerkenswerten Klassikerumschreibungen ein unverkennbares Profil entwickelt, das bei Kritik und Publikum gleichermaßen ankommt. Die Auslastung hat sich in den vergangenen Jahren auf mehr als 80 Prozent eingependelt. 2014 gewann die Bühne den Nestroy für die beste Off-Produktion.

Heute, Mittwoch, feiert das Haus zehnjähriges Jubiläum mit einem revueartigen Rückblick. Zuvor sprach das Leitungsteam Gernot Plass und Ferdinand Urbach mit der "Wiener Zeitung" über die wechselvolle Geschichte der Mittelbühne.

"Wiener Zeitung": Wie blicken Sie auf die nicht unbedingt erfolgsgekrönten Anfangsjahre zurück?

Gernot Plass: Dass wir eine Bühne bekommen haben, kam für uns damals überraschend. Natürlich haben wir uns geehrt gefühlt, wir wollten das Theater neu erfinden - und sind dann hart in der Wirklichkeit gelandet. Da wir zuvor als freie Gruppen nur Einzelprojekte produziert haben, waren wir nicht darin geübt, einen Ganzjahresspielplan zu machen. Da gab es einiges mühsam und schmerzlich zu lernen.

Was zum Beispiel?

Plass: Auch wenn es wohl niemand zugeben würde, gab es anfangs ein gewisses Konkurrenzgefühl: Wer ist erfolgreicher? Wer macht das relevante Theater?

Das Kollektiv ist gescheitert?

Ferdinand Urbach: Ja, aber es gab keine Revolution, eher eine Evolution: Nach dem Siebener-Team kam es zu einer dreiköpfigen Führung, schließlich übernahm 2009 bis 2013 Margit Mezgolich allein die künstlerische Leitung, seit 2013/14 hat Gernot Plass diese Funktion inne.

Mit dem Ende der Gemeinschaftsführung kam dann der Erfolg?

Urbach:Der Turnaround kam, als wir uns für eine wiedererkennbare Ästhetik entschieden haben.

Bekannt ist das TAG nunmehr für Klassikerumschreibungen.

Plass: Wir orientieren uns an Klassikern, wollen scheinbar altbekannte Stoffe, Mythen und Geschichten neu kennenlernen, spielen sie in moderner Rede und Figurenführung. Obwohl es mitunter nur zu minimalen Abänderungen kommt, wirken die Figuren anders, sie werden zu Zeitgenossen.

Wie wichtig ist ein klares Profil, oder führt das nicht zu künstlerischem Stillstand?

Plass: In einer ausdifferenzierten Theaterlandschaft wie Wien muss man sich wohl festlegen. Das Publikum will wissen, was es bekommt. Auch ein gutes Ensemble weiß man hier zu schätzen.

Urbach: Bei uns ist der Klassikerbegriff weit gefasst, das reicht von der Antike bis zum Arthousefilm, da dürfte es genug künstlerischen Spielraum geben. Eine weitere Bedingung ist, dass die Regisseure ihre eigenen Texte verfassen, den Abend mit den Schauspielern gemeinsam entwickeln. Wir holen uns keine fertigen Texte von den Verlagen ab.

Ihre Verträge laufen noch bis 2017. Wollen Sie verlängern?

Plass: Wir würden sehr gern weiterarbeiten, das Haus funktioniert gut, ich mag die Atmosphäre. Aber wir sehen uns nicht als Sesselkleber. Die Entscheidung liegt beim Kulturstadtrat.

10 Jahre TAG.

Eine musikalische Rückschau auf zehn Spielzeiten und rund 120 Theaterproduktionen.

In zehn Kapiteln erinnert das TAG-Ensemble an die Aufführungen der vergangenen Dekade.

Mit: Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Georg Schubert und Elisabeth Veit sowie Horst Heiss, Julian Loidl, Petra Strasser und diversen Mitarbeitern des Hauses. Musikalische Leitung: Andrés García.

Nach dem knapp einstündigen Show-Act lädt das Haus zum Fest. Mi, 13. Jänner, TAG,

6., Gumpendorfer Straße 67,

Beginn: 19 Uhr, freier Eintritt.

Info: http://dastag.at

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-01-12 16:50:07
Letzte nderung am 2016-01-12 17:02:07



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