• vom 21.01.2016, 14:49 Uhr

Bühne

Update: 22.01.2016, 09:53 Uhr

Theaterkritik

"Othello" als echtes "Theater zum Fürchten"




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Von Heiner Boberski


    Wer bestimmte Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Echtes "Theater zum Fürchten" - so heißt ja auch der Trägerverein der Scala in Wien-Wieden - liefert Bruno Max mit seiner dortigen Inszenierung von Shakespeares "Othello". Diese Tragödie um Eifersucht und Rache, um Liebe und Tod, um Ehrgeiz und Rassismus, erschüttert das Vertrauen in die Menschen.

    Der Jago des brillant spielenden Alexander Rossi, dieser in der Maske des loyalen Gefährten ein blutiges Ende herbeiführende Intrigant, ist zum Fürchten, ein Mensch, der absolut vertrauenswürdig erscheint und es ebenso absolut nicht ist. Genau dieses blinde Vertrauen wird Othello zum Verhängnis. Dass kein geschminkter Weißer, sondern der in Hamburg aufgewachsene dunkelhäutige Tino Führer den venezianischen General spielt, macht diese Aufführung besonders sehenswert. Führer findet sowohl die richtigen leisen als auch die passenden lauten Töne und wirkt dabei immer authentisch.


    Neben ihm und Rossi verblassen die durchaus soliden Leistungen der anderen Darsteller. Selina Ströbele als Desdemona mimt das Party-"Girlie" und gewinnt erst, als es um ihr Leben geht, an Profil.

    Marcus Ganser und Bruno Max haben die Bühne gut für die wechselnden Schauplätze eingerichtet. Passt der alte Shakespeare-Text, in der von Max bearbeiteten Baudissin-Übersetzung, zu dieser Inszenierung, die das Stück in einem modernen Krieg spielen lässt? Nicht ganz, wenn zum Beispiel von Schiffen die Rede ist und Hubschraubergeräusche ertönen. Aber von solchen Kleinigkeiten abgesehen, kann sich die Produktion mehr als sehen lassen.

    theater

    Othello

    Scala, Wh.: Di - Sa, bis 30. Jänner




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    Theaterkritik

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-01-21 14:53:05
    Letzte nderung am 2016-01-22 09:53:04



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    CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

    Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

    Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

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