• vom 08.04.2016, 16:24 Uhr

Bühne


Nächste Saison

Hamlet auf Sinnsuche und Violetta als Selfie-Queen




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Das Theater an der Wien bereichert auch die nächste Saison mit spannenden Novitäten und Opernraritäten; Roland Geyer verlässt das Haus 2020.

"Will noch einmal etwas anderes tun": Intendant Roland Geyer, hier an der Seite von Regisseurin Lotte de Beer. - © apa/Robert Jäger

"Will noch einmal etwas anderes tun": Intendant Roland Geyer, hier an der Seite von Regisseurin Lotte de Beer. © apa/Robert Jäger

Wien. (irr) Zehn Jahre ist es her, dass das Theater an der Wien seinen Betrieb als städtisches Opernhaus aufgenommen hat - der Publikumszuspruch sei mittlerweile "überwältigend", jubelte Thomas Drozda bei der Spielplan-Präsentation am Freitag. Der Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) lobte dabei aber nicht nur eine Auslastung von 97,2 Prozent (aktuelle Saison), sondern auch die "stringente, leidenschaftliche" Programmierung und deren "konsequente Umsetzung" durch Intendant Roland Geyer.

Der bietet auch in der nächsten Saison ein spannendes Komplementärprogramm zur repertoirelastigen Staatsoper. Wobei die Spielzeit diesmal nicht mit einem Konzert eröffnet, sondern gleich mit einer Uraufführung ins Haus fällt: "Hamlet" (ab 14. September) heißt das Auftragswerk und stammt von Komponist Anno Schreier und Textautor Thomas Jonigk. Eine konventionelle Literaturoper sei es nicht: Das Stück, so sein Regisseur Christof Loy, schicke Hamlet auf eine Sinnsuche, die fast heiter beginne, aber in einer Tragödie münde.


Die Neuproduktion ist nicht der einzige Tribut an Shakespeares 400. Todestag: Im Oktober hat "Falstaff" aus der Feder von Antonio Salieri Premiere (René Jacobs dirigiert); im November folgt Verdis "Macbeth", und zwar gleich in beiden Fassungen des Komponisten. Bei der späteren (1865) übernimmt Roberto Frontali die Titelpartie, für jene aus dem Jahr 1847 singt Plácido Domingo den Macbeth. Regie führt Geyer selbst, Bertrand de Billy dirigiert die Wiener Symphoniker. Rund um den Jahreswechsel kommt mit Keith Warners "Don Giovanni"-Regie ausnahmsweise eine betagte Inszenierung des Hauses (von 2006) zum Zug; danach geht’s mit Neuproduktionen weiter: Auf Purcells "Fairy Queen" (Jänner 2017) mit Sängern wie Florian Boesch und Anna Prohaska folgt Werner Egks "Peer Gynt" (Februar) in einer Regie von Peter Konwitschny; danach dirigiert Jean-Christophe Spinosi die Rossini-Rarität "Elisabetta Regina D’Inghilterra".

Intendanten-Vertrag um
zwei Jahre verlängert

Auch getanzt wird wieder: Ein Gastspiel des Norwegischen Nationalballetts Oslo bringt im April 2017 eine "Carmen"-Choreografie ins Haus sowie eine Adaption von Ibsens "Gespenster" mit Musik vom Jazzer Nils Petter Molvaer. Enden wird die Saison mit Hans Werner Henzes Oper "Elegie für junge Liebende" aus dem Jahr 1961 (Regie: Keith Warner).

Die als Dependance betriebene Kammeroper wartet in der nächsten Saison mit vier Eigenproduktionen auf, begonnen mit Verdis "La Traviata" (September) in einer radikal verschlankten Fassung. Regisseurin Lotte de Beer betrachtet die todkranke Protagonistin als "Königin der Lebenslüge" und zeigt sie in ihrer Inszenierung als Selfie-Queen, die sich in den sozialen Medien stilisiert.

Eine Neuigkeit hat Geyer in eigener Sache: Sein Vertrag als Intendant wird um zwei Jahre verlängert und gilt somit bis 2020. Danach will der gebürtige Wiener aber "noch einmal etwas anderes tun". Einen neuen Posten habe er noch nicht in der Tasche, versichert Geyer auf Nachfrage der "Wiener Zeitung".

Apropos Vertrag: Jener von Christian Struppeck, Musical-Intendant der VBW, wird ebenfalls bis ins Jahr 2020 verlängert. Laut Drozda war eine Ausschreibung der beiden Posten dafür nicht "zwingend notwendig".




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-04-08 16:29:06



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Ein Produkt muss süchtig machen"
  2. Der alltägliche Wahnsinn
  3. Im Zeichen der Vagina
  4. Ibsen wortlos
  5. Tausend Tränen tief
Meistkommentiert
  1. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  2. "Wir sind ein dummes, gewalttätiges Land"
  3. Kunst- und Kulturverbände präsentieren Forderungen an die Regierung
  4. "Trocknen Sie die homogenen Sümpfe aus"
  5. Trübe Winkel

Werbung



Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.

Werbung



Werbung


Werbung