• vom 21.09.2016, 16:20 Uhr

Bühne

Update: 21.09.2016, 17:11 Uhr

Theaterkritik

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Von Felix Kristan

  • "Die Tagespresse Show" im Theater Rabenhof mit pointierten Gags.

Spiel mit Realität und Fiktion: Paul Kraker führt als Anchorman durch die launige "Tagespresse Show" im Rabenhof.

Spiel mit Realität und Fiktion: Paul Kraker führt als Anchorman durch die launige "Tagespresse Show" im Rabenhof.© Rita Newman Spiel mit Realität und Fiktion: Paul Kraker führt als Anchorman durch die launige "Tagespresse Show" im Rabenhof.© Rita Newman

"Bei allen Zigaretten, die Van der Bellen rauchen will, öffnet sich der Klebstoff", verkündete Ö1-Moderator Paul Kraker als unaufgeregter Anchorman anfänglich aus "Österreichs seriösestem Newsroom". Dieser eigenen Bezeichnung konnte der Versuch, die beliebte Webseite "Die Tagespresse" auf die Bühne zu bringen, nur oberflächlich gerecht werden.

Das an den "ZiB Flash" erinnernde Bühnenbild und Nachrichtensprecher Kraker vermitteln einen durchaus seriösen Eindruck. Im Kontrast dazu werden Falschmeldungen als ernst zu nehmende Nachrichtenbeiträge präsentiert. Die "New York Times" etwa habe den Wiener Praterstern erstmals zum hässlichsten Ort der Welt gewählt. Solche Meldungen haben freilich einen gewissen Unterhaltungswert. Das Grundprinzip der "Tagespresse", die als Facebook-Phänomen seit ihrer Gründung im Jahr 2013 satirische Nachrichtenartikel über das Internet verbreitet, funktionierte somit auch als Bühnenfassung, die Dienstagabend im Rabenhof Theater ihre Uraufführung feierte: erfolgreich - trotz einiger Schwächen in der Inszenierung.

Information

Theater
Die Tagespresse Show
Von Fritz Jergitsch, Sebastian Huber und Jürgen Marschal
Rabenhof Theater (01/7128282)
Wh.: 23., 24. Sept; 4., 21. Okt

Fake-Realität

In reichlich vorhandenen Videoeinspielungen kam es zu diversen Gastauftritten. Christoph Grissemann war in einem Clip als "fürsorglicher" Vater zu sehen, Richard Lugner gelang es, in einem Putsch mit Hilfe des österreichischen Bundesheers endlich, Bundespräsident zu werden, und der als "Willkommen Österreich"-Reporter bekannte Peter Klien befragte als Außenkorrespondent Menschen auf der Straße - unter anderem zu dem Thema, ob es Flüchtlinge in Österreich zu gut haben, weil sie nicht für Gratiszeitungen bezahlen müssen. Die absurden Antworten der Befragten in den augenscheinlich nicht gestellten Interviews fügten sich nahtlos in das Gesamtkonzept der Show ein und sorgten mitunter für die witzigsten Momente.

Allerdings konnten die Regisseure Roman Freigaßner-Hauser und Rabenhof-Direktor Thomas Gratzer den dramaturgischen Spannungsbogen während der 80-minütigen Aufführung nur bedingt aufrechterhalten.

Zwar wurde versucht, mit den Beiträgen rund um Lugners Machtübernahme einen roten Faden zu spannen, was nur zum Teil gelang, da es im letzten Drittel vermehrt zu Wiederholungen der verschiedenen Show-Elemente kam. Das machte den Abend zunehmend langatmig.

Das Comedy-News-Format passt wohl besser ins Fernsehen als ins Theater. Dennoch lautstarker Applaus, der vor allem den komödiantischen Qualitäten des "Tagespresse"-Teams rund um Gründer Fritz Jergitsch zuzurechnen ist.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-21 16:23:12
Letzte nderung am 2016-09-21 17:11:20



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