• vom 10.01.2017, 16:01 Uhr

Bühne

Update: 10.01.2017, 17:17 Uhr

Opernkritik

Sehnen und Würgen




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Aufwühlend: die Rückkehr der "Toten Stadt" an die Wiener Staatsoper.

Mord an Marietta: Herbert Lippert, Camilla Nylund.

Mord an Marietta: Herbert Lippert, Camilla Nylund.© Staatsoper Mord an Marietta: Herbert Lippert, Camilla Nylund.© Staatsoper

(irr) "Glück, das mir verblieb" heißt sein großer Hit. Die Noten dazu sind in seine Grabplatte graviert: 1957 ist Erich Wolfgang Korngold, einst als Nachfolger von Richard Strauss gehandelt, in Los Angeles gestorben. Seine Karriere war doppelt durchkreuzt worden. Die NS-Zeit hat er als Soundtrack-Schreiber in Hollywood überlebt; eine Rückkehr in den Kunstbetrieb Europas verhinderte die Avantgarde: Sie brach radikal mit den Braunhemden - und verfemte die Tonalität.

Das Glück, das dem Architekten süffig-schwirrender Klangbilder blieb: frühe Opernerfolge wie "Die tote Stadt". 1920 herausgebracht, tönt darin nicht nur die erwähnte Arie nostalgisch: Der Protagonist Paul hält in einer "Kirche des Gewesenen" eine ewige Totenmesse für seine Marie ab. Die Ankunft eines Lookalikes namens Marietta bringt nur anfangs eine willkommene Projektionsfläche. Die Kluft zwischen idealem und realem Gegenüber, zwischen "heiliger" Toten und koketter Lebefrau, schließt Paul brutal: indem er Marietta erwürgt - jedenfalls in einer Vision.

Information

Die tote Stadt
Wh.: 12., 15. und 20. Jänner

Es gehört zu den Meriten von Ex-Staatsopernchef Ioan Holender, die "Tote Stadt" 2004 ans Haus geholt zu haben - und zu den Verdiensten seines Nachfolgers Dominique Meyer, die elegante Traumspiel-Inszenierung von Willy Decker nun erneut anzusetzen.

Am Montag war aber vor allem Einspringer Herbert Lippert zu danken: Immer noch bärenkräftig bei Stimme, beißt er sich als Paul durch die orchestralen Klangwände - und die schichtet Dirigent Mikko Franck dick. Beeindruckend auch Camilla Nylund, die als Marietta-Marie die Grenzen ihrer Intensität auslotet. Adrian Eröd, dieser Ausbund an Stimmkultur, kann den nicht gar so orchesterbedrohten Frank wortklar und distinguiert anlegen. Zuletzt voller Beifall und Dank an Monika Bohinec, die kurzfristig als Brigitta eingesprungen ist. Apropos Sängerkrankheitsfälle: Sollte sich jener von Klaus Florian Vogt als kurz erweisen, singt er ab Donnerstag wie ursprünglich geplant den Paul.





Schlagwörter

Opernkritik, Staatsoper

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-01-10 16:05:10
Letzte nderung am 2017-01-10 17:17:18



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Digital-Expertin Ingrid Brodnig verlässt das "profil"
  2. "Da kommt Merkwürdiges auf uns zu"
  3. Die Toilette als Zombie
  4. Prominente schließen sich Streeps Trump-Kritik an
  5. Ein Belcanto-Blumenstrauß
Meistkommentiert
  1. D wie Dame, "Die" und Diva
  2. Helfer und Hetzer
  3. Prominente schließen sich Streeps Trump-Kritik an
  4. Lachen über Dschihadistinnen
  5. Maria Theresia im Profil

Werbung



Ein Ausnahmeprojekt mit Ausnahmeproblemen: Die Elbphilharmonie, eine "gläserne Welle", die auf drei Seiten von Wasser umgeben ist. 

Billy Bob Thornton mit seinem Golden Globe für die Fernsehserie  "Goliath". Dirigent Gustavo Dudamel und die Wiener Philharmoniker am Sonntag beim Neujahrskonzert 2017.

Zu Gast bei der äthiopischen Nacht: Der Circus Debre Berhan aus Äthiopien. Der kanadische Sänger Leonard Cohen posiert auf einer Schienenschwelle, aufgenommen am 25.04.1976 anlässlich eines Konzertes in Frankfurt am Main.

Werbung



Werbung