• vom 13.03.2017, 16:44 Uhr

Bühne

Update: 13.03.2017, 16:53 Uhr

Theaterkritik

Das Phantom des Konzerthauses




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Von Christoph Irrgeher

  • Erneut als kultivierter Teufel unterwegs: John Malkovich mimte in Wien einen Diktator.

Diese Figur ist das Böse: John Malkovich als Diktator.

Diese Figur ist das Böse: John Malkovich als Diktator.© apa/dpa Diese Figur ist das Böse: John Malkovich als Diktator.© apa/dpa

Man weiß es, gerade in Österreich: John Malkovich, seit seinen Filmtagen als verruchter Vicomte de Valmont ("Gefährliche Liebschaften", 1988) legendär, mimt auch abseits der Kameras gern den kultivierten Dämon. In Zusammenarbeit mit dem Musiker Martin Haselböck und Michael Sturminger (Buch, Regie) hat er sich in Jack Unterweger eingefühlt, ist später unter die Perücke des Giacomo Casanova geschlüpft. Nun stehen die Zeichen auf superböse: In der neuen Theaterbastelei der zwei Wiener gibt der Filmstar einen Despoten namens Satur Diman Cha. Der wurde soeben von angreifenden US-Truppen in die Kelleretagen seines Palastes gebombt, in dem ein Nachbau des Wiener Konzerthauses prunkt, ist aber bis zuletzt ein wortmächtiger Fantasiestaaten-Chef: "Just Call Me God" lautet der Titel des Stückes.

Was will es im (echten) Konzerthaus? Vor allem ein Luftraum sein für die delikaten Wortgirlanden des John Malkovich, aber auch eine Detonationsfläche für dessen eruptive Seite. Beides spielt es schon zu Beginn: Der flüchtige Anführer erschießt rücklings G.I.s, verschont den Soldaten an der Orgel (Haselböck) aber mit einem Shakespeare-Zitat. "If music be the food of love, play on." Eine Edelbestie, die Malkovich, von einer Kamera auf zwei Screens übertragen, 90 Minuten routiniert in Bewegung hält.

Information

Theater
Just Call Me God
Wiener Konzerthaus

Damit er dabei nicht bloß um sich kreist, steht ihm eine Journalistin (Sophie von Kessel) gegenüber. Mit ihr als lockendem, doch auch wehrhaftem Widerpart entwickelt sich ein teils intensives Kammerspiel, das auch politisches Unbehagen weckt. Der Westen habe ihn 25 Jahr geduldet, bellt Cha; jetzt würden seine Leute dorthin strömen.

Nur leider: Der Abend läuft auf eine doppelte Denunziation hinaus. Durch seine Monologe und Schauerorgelmelodrame (Malkovich brüllt, das Instrument auch) zu einer Art Höllenfürst aufgebaut, erhält die Figur im Laufe ihres letzten Interviews nur ein paar Psychopathen-Facetten dazu. Womit es bei einem Schreckgespenst bleibt, von dem sich jeder im Saal wohlig entfernt fühlt. Viel Beifall, am Mittwoch darf Amsterdam Monster-Schauen.





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Theaterkritik, John Malkovich

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-13 16:48:15
Letzte nderung am 2017-03-13 16:53:50



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