• vom 19.03.2017, 11:45 Uhr

Bühne

Update: 19.03.2017, 14:10 Uhr

Theater

Natur und Kultur tanzen versöhnt




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Von WZ Online, Hans Haider

  • Shakespeares Komödie "Wie es euch gefällt" in St. Pölten.

Wunderbare Metaphern in eindrücklichen Bildern: Shakespeares "Wie es euch gefällt" in St. Pölten. - © Landestheater St. Pölten, Alexi Pelekanos

Wunderbare Metaphern in eindrücklichen Bildern: Shakespeares "Wie es euch gefällt" in St. Pölten. © Landestheater St. Pölten, Alexi Pelekanos

Die reale und die erträumte Welt prallen in Shakespeares "Wie es euch gefällt" (1599) aufeinander: als ein Theater der Wirklichkeit und ein utopisches Theatertheater. Zu oft wird die tief im Denken der Renaissance verwurzelte Komödie in lauen Sommertheaterstunden gefühlswarm verblödelt. In St. Pölten löst Gottfried Breitfuß die wunderbare Metapher in eindrückliche Bilder auf. Vor der geschlossenen Courtine ein gekaufter Totschläger und zwei brüllende Brutalos im grauen Businessdress. Raub, Flucht, Vertreibung, versuchter Neffenmord, angedrohter Brudermord im herzoglichen Schloss. Doch die Utopie steht schon in Lauerstellung: junge Liebende und ein alter Mann mit Bart und Apfel in der Hand. Auch das biblische Paradies schickt einen Gruß – Adorno schreibt vom "Vorschein" – voraus. Und eine Erinnerung daran, wie Adam es verspielt hat

Mit einem Ruck öffnet sich der Vorhang. Ein Zauberwald, durchflutet von alten Melodien und Kunstnebel. Bei diesem Fest der Kürbiskopfmasken tanzt sogar ein grüner Baum. Lobpreisung der Natur, die sich hier mit der Kultur versöhnt, grad so, wie uns eine anthropologische Konstante ein Goldenes Zeitalter verheißt. Hat wer schon Ovids "Áurea príma satást aetás que víndice núllo spónte suá . . ." auf einer Bühne gesungen gehört? Jedes bildungsbürgerliche Herz öffnet sich.

Information

Wie es euch gefällt
Von William Shakespeare
Gottfried Breitfuß (Regie)
Mit Katharina Knap, Bettina Kerl, André Willmund u. a.
Landestheater St. Pölten
www.landestheater.net
Bis 29. April. Am 4./5. April in Baden

Glücksgriffe der Intendantin

Breitfuß, ein Salzburger, in Deutschland und in der Schweiz als Schauspieler unterwegs, war nicht der einzige Glücksgriff der neuen Intendantin Maria Rötzer. Im Forst der glücklichen Verbannten und Flüchtlinge stellt sich das ansehnliche neue Damen- und Jungherrenensemble vor. Voran Katharina Knap (Rosalinde) und Bettina Kerl (Celia), beide bezaubernd in ihren himmelblauen Kleidern, meilenweit vom Klischee der "besten Freundinnen" entfernt. Sie flüchten aus der kaputten in die gesunde Welt. Knap als junger Mann mit Hut auf dem Kopf: ein spinglebendiger Kobold von umwerfendem Charme. Celia muss ihre Anmut unkenntlich machen. Bleierne Schminke auf den Wangen, Blondinenzopf und Pelzfetzen zum Ausziehen tarnen sie als Gehherda-Lustobjekt. Wie rasch sie dem zum Bruderfreund bekehrten Oliver (Lukas Spisser) in die Arme springt, überrascht. Wohl eine Verneigung der Regie vor hormongestützter Naturmacht.

Naturfrauenherbheit zeigt Vidina Popov als hantige Schäferin. Sie lässt den Schäfer Stanislaus Dick trotz schönster ihr gewidmeter Artistenkapriolen grausam lange werben. Tobias Artner: als lange genasführter Orlando ein jugendlich verträumter Held. Er wird sich an das Hochösterreichische angleichen müssen. In St. Pölten hat es unter der aus Hamburg heimgeholten Maria Rötzer Chancen, Bühnenton zu bleiben. Toni Slama als Narr zeigt einmal mehr, wie nahe Nestroy Shakespeare steht. Dessen Glaubensbekenntnis "Die ganze Welt ist Bühne . . ." spricht André Willmund als Jacques. Melancholie der schwärzeren Art, fein und diskret. Michael Scherff ist der gute und der böse Herzog – und darum im Wellenbad der Sympathie ohne festen Anker.

Applausparade

Die Musik arrangierte Helmut Thomas Stippich. Er steht verkleidet als Bauernmädchen auf der Bühne, singt zu Gitarre. Er dirigiert auch das Ensemble, in dem Willmund Piccolotrompete bläst, Dick am Saxophon brummt, Spisser die Saiten streicht und Artner die seinen zupft. Finita la commedia. Alle Paare vereint. Die harmonisierte Kunst-Natur-Gesellschaft tritt zur Applausparade an. Noelle Brühwiler setzt dem Ensemble Obst- und Gemüsehüte auf, getreu den Mustern der höfischen "Masks" im elisabethanischen England. Rosalinde wirft im Epilog noch verbale Kusshändchen über die Rampe. Danke!





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-19 11:46:21
Letzte nderung am 2017-03-19 14:10:46



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