• vom 22.03.2017, 16:05 Uhr

Bühne

Update: 22.03.2017, 17:06 Uhr

Theaterkritik

Das Grauen hinter den Spiegeltüren




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Heiner Boberski

  • Effektvolle Inszenierung von Genets "Zofen" in der Wiener Scala.

Duo Infernale: Johanna Withalm, Johanna Rehm (u).

Duo Infernale: Johanna Withalm, Johanna Rehm (u).© Bettina Frenzel Duo Infernale: Johanna Withalm, Johanna Rehm (u).© Bettina Frenzel

Spiegeldrehtüren und Blumen dominieren die Bühne. Eine gnädige Frau quält ihre Zofe. Aber bald merkt man, dass hier in Wirklichkeit zwei Zofen, die Schwestern Claire und Solange, agieren.

Sie betreiben eines ihrer vielen Rollenspiele, in denen eine die Herrin mimt und deren Kleider und Schmuck trägt. Aus tiefem Frust über ihre dienende Funktion haben sie den Hausherren durch eine Intrige ins Gefängnis gebracht und bereiten nun die Ermordung der Madame vor. Aber die Dinge nehmen einen etwas anderen Verlauf.

Information

Theater
Die Zofen
Theater Scala
Wh.: bis 8. April

"Die Zofen" von Jean Genet, ein Klassiker des 20. Jahrhunderts aus dem Jahr 1947, der auf einem echten Mordfall beruht, erleben in der Wiener Scala eine effektvolle Neuinszenierung. Der in tristen Verhältnissen aufgewachsene Autor vereinte Genialität mit einem Hang zum Kriminellen und Abgründigen. Dass man "Die Zofen" sowohl mit drei Männern als auch mit drei Frauen, aber auch im Geschlechterverhältnis 2:1 besetzen kann, hängt wohl mit Genets Homosexualität zusammen. Babett Arens hat sich für zwei Frauen und einen Mann entschieden.

In ihrer flotten Inszenierung - einmal wird darin sogar ein Lied aus der zehn Jahre nach den "Zofen" entstandenen "West Side Story" geträllert - kommt nie Langeweile auf.

Johanna Rehm (Claire) und Johanna Withalm (Solange) spielen mit hinreißender Intensität und sind einander als Zofen mit krimineller Energie ebenbürtig, Wolfgang Lesky brilliert als selbstgefällige gnädige Frau.





Schlagwörter

Theaterkritik

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-22 16:08:07
Letzte nderung am 2017-03-22 17:06:09



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Moonwalk in die Ewigkeit
  2. Saudi-Arabien hebt Kino-Verbot auf
  3. Irrlichtern im Hades der Dichtkunst
  4. Kurz und schmerzvoll
  5. Ozeanische Gefühle
Meistkommentiert
  1. Karajan und kein Ende
  2. Die Zukunft gehört den Singles
  3. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  4. Die Kamera als Schutz
  5. "Ohne Polen kollabiert London"

Werbung



CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung


Werbung