• vom 04.04.2017, 16:58 Uhr

Bühne


Osterklang

Tanz der Wiedergänger




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Von Verena Franke

  • Osterklang zeigt vertanzte "Gespenster" von Henrik Ibsen.

Zu Hause bei den Alvings: Osvald (Andreas Heise) und seine Mutter (Camilla Spidsoe). - © Erik Berg

Zu Hause bei den Alvings: Osvald (Andreas Heise) und seine Mutter (Camilla Spidsoe). © Erik Berg

Dunkel, düster, gespenstisch und brutal: Ein Drama, das sich in einem emotionalen Tornado der familiären Katastrophe entgegenwirbelt, in der sich der Niedergang der Gesellschaft spiegelt. Es sind Henrik Ibsens "Gespenster", die vom Norwegischen Nationalballett Oslo als Gastspiel beim zurzeit stattfindenden Osterklang in Tanz umgesetzt werden. Bewegung kann die Tiefe und Sprachgewalt der Ibsen-Dialoge nicht eins zu eins umsetzen - das ist aber kein Manko in dieser Inszenierung, arbeitet sie doch mit den expressiven Bildern des Dramas.

Cina Espejord und Marit Moum Aune halten sich an die literarische Vorgabe: Sohn Osvald kehrt in sein Elternhaus zurück, wo ihn seine Mutter freudig begrüßt, er ein Techtelmechtel mit der Bedienerin - eigentlich seine Halbschwester - beginnt und der beratende Pastor Mutter Alving nicht ganz gleichgültig gegenübersteht. Auch mischt der Vater der Bediensteten Regine mit, der sie aus dem Haus der Alvings holen möchte. Osvald und Regine erfahren ihre Blutsverwandtschaft, worauf Osvald dem Wahnsinn verfällt, in den ihn die permanent präsenten Geister der Vergangenheit treiben. Dafür sind alle Rollen doppelt besetzt: Als Menschen der Gegenwart und als ihre Gespenster - mutig ist dabei die Entscheidung, als Klein-Regine und Klein-Osvald zwei Kinder auf die Bühne zu bringen, die auch die Bewegungen der Erwachsenen unisono mittanzen und wirkungsvoll ihre Rollen verkörpern.


Brutales Aufzwingen des eigenen Willens
Beeindruckend ist nicht nur die Bühnenpräsenz der unterschiedlichen Darsteller des kleinen Ensembles, sondern auch die Umsetzung der Choreografie in diese Tanzsprache: Brutal wird hier der Wille des einen dem Körper des anderen aufgezwungen. Manchmal gibt es eine klatschende Ohrfeige einer verzweifelten Frau, dann prallen die Körper geräuschvoll aneinander. Immer mehr vermischen sich die Geister mit den Menschen. Andreas Heise (Osvald), Camilla Spidsoe (Mutter Alving) und Grete Sofie Borud Nybakken (Regine) erzählen auf technisch hohem Niveau in einem Mix aus klassischem und zeitgenössischem Stil mit extremem Körpereinsatz das psychologisch profunde Handlungsballett. Begleitet werden sie mit Musik des Pioniers des elektronischen Jazz‘ Nils Petter Molvaer. Mit seinen Trompetensoli verdichtet er magisch die Atmosphäre, hingegen wirkt die sonstige Klangkulisse altbacken platt.

Tanz

Gespenster

nach Henrik Ibsens Drama

Cina Espejord und Marit Moum Aune (Choreogr., Inszenierung)

Nils Petter Molvaer (Musik)

Norwegisches Nationalballett Oslo Theater an der Wien/Osterklang




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Dokument erstellt am 2017-04-04 17:03:09



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