• vom 10.04.2017, 15:51 Uhr

Bühne


Opernkritik

Hässlicher wohnen oder: Mein lieber Schwan




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    (irr) Eine Aufführung Neuer Musik sieht manchmal so aus wie eine Partie "Reise nach Jerusalem", nur umgekehrt: Je länger die Musik läuft, desto mehr Sesseln werden frei. Minute fünf in der Salzburger Universitätsaula: Fünf Sitze leeren sich. Minute 70: allgemeiner Dammbruch. Geschätzte 15 Leute wuzeln sich aus den engen Reihen.

    Verdenken kann man es ihnen nicht. Oder nur, dass sie nicht noch zwei Minuten gewartet haben. Dann hätte Salvatore Sciarrinos "Lohengrin", gespielt vom Österreichischen Ensemble für Neue Musik, seinen letzten Laut von sich gegeben. Was will diese Kammeroper? Wer weiß. Die Musik hebt zögerlich an. Kleine Terz, lange ausgehalten. Pause. Terz. Pause. Terz. Rums!, Klanglawine vom Glockenspiel. Pause. Terz. Terz. Barockmusik: Ein Lamento im Wiegetakt, drei Männer, eine Frau singen. Vorhang geht auf. Die Sängerin (Sarah Maria Sun) ist nun - wer?


    "Elsa! Elsa-haaa!"
    Inhaberin einer Gruselwohnung. Unverputzte Wände, Grindkacheln, Balkonblick auf Mondlandschaft (Regie: Michael Sturminger). Die Frau macht: "P! P!", keucht, ächzt, schreit. Dreht durch. Frau: "Diese Hochzeitsvilla stinkt nach Massengrab!" Orchester: greint. Frau: "Ich bin noch nicht 18!" Orchester: sirrt. Frau: "Elsa! Elsa-haaa!" Publikum denkt sich: Ah, die aus der Wagneroper. Frau: zerfetzt Daunenpolster (öha, Schwanensymbol!). Erstickt damit einen Knaben. Aus.

    Es verdient Lob, dass die Salzburger Osterfestspiele nicht nur Klassik-Hits spielen. Dieser "Lohengrin" aber ist zu verquast, um Normalsterbliche für Neue Musik zu interessieren. Sollte es hier indes um eine Persiflage gehen: Besser, kürzer und echt satirisch gemeint wäre Hape Kerkelings "Hurz".

    Oper

    Lohengrin

    Osterfestspiele, Wh.: 12., 16. April




    Schlagwörter

    Opernkritik, Osterfestspiele

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    Dokument erstellt am 2017-04-10 15:57:06



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    CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

    Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

    Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

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