• vom 11.04.2017, 16:23 Uhr

Bühne


Interview

"Das Leitthema ist die Gier"




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Von Petra Paterno

  • Regisseur Georg Schmiedleitner über Nestroy und Donald Trump, über Gier und die Aufgabe des Theaters.

Die Ehe ist auch nur ein Geschäft: Regisseur Georg Schmiedleitner mit Gregor Bloéb und Markus Meyer bei den Proben zu "Liebesgeschichten und Heiratssachen". Hinten: Marie-Luise Stockinger.

Die Ehe ist auch nur ein Geschäft: Regisseur Georg Schmiedleitner mit Gregor Bloéb und Markus Meyer bei den Proben zu "Liebesgeschichten und Heiratssachen". Hinten: Marie-Luise Stockinger.© R. Werner Die Ehe ist auch nur ein Geschäft: Regisseur Georg Schmiedleitner mit Gregor Bloéb und Markus Meyer bei den Proben zu "Liebesgeschichten und Heiratssachen". Hinten: Marie-Luise Stockinger.© R. Werner

"Wiener Zeitung":In Johann Nestroys "Liebesgeschichten und Heiratssachen" finden sich böse Sätze über Liebe und Ehe. Nicht umsonst bemerkte Hans Weigel, "Nestroys Ehen werden nicht im Himmel geschlossen." Wie halten Sie es mit den Eheschließungen in diesem Stück, das Sie nun fürs Burgtheater inszenieren?

Georg Schmiedleitner: Der Titel ist sarkastisch gemeint, es geht überhaupt nicht um das zarte Anbahnen von Liebesverbindungen, sondern vielmehr um das brutale Zerreißen. Wer hier noch an die Aufrichtigkeit in der Liebe glaubt, wird vor den Kopf gestoßen. Die Hauptfigur will ohnehin nur wegen des Geldes heiraten. Die Unverschämtheit, mit der die Ehe als Geschäftssache angegangen wird, ist bemerkenswert, lässt einen an einen gewissen herablassenden Ton in der Politik denken, der mittlerweile salonfähig geworden ist.


Denken Sie dabei etwa an die Tweets von US-Präsident Donald Trump?

Zum Beispiel, aber nicht nur. "Erst kommt die Entwürdigung durch Worte, dann durch die Tat", heißt es. Insofern braucht es gerade jetzt wieder eine besondere Achtsamkeit, wie Politiker ihre Worte einsetzen. Hier kann man viel von Nestroy lernen. Als Sprachkünstler und Satiriker analysierte er die reaktionär-restaurative Politik seiner Zeit auf bestechende Weise.

"Liebesgeschichten und Heiratssachen" basiert auf der Auflösung geordneter Gesellschaftsnormen: Der absteigende Adel akzeptiert das aufsteigende Bürgertum nicht, das Bürgertum sucht händeringend Zugang zum Adel. Diese starke soziale Differenzierung innerhalb der Schichten machte Hochstapler wie den Protagonisten Nebel erst möglich. Wie gehen Sie damit heute um?

Das Leitthema des Stückes ist die Gier. Es geht um sozialen Auf- und Abstieg, das ist das dynamisierende Element. Da sehe ich viele Parallelen zur Gegenwart. Auch wir leben in einer gierigen Konsumwelt, in einer Zeit, in der die Millionärsdichte wächst und gleichzeitig die Armut zunimmt. Den Neureichen von heute wird der Zugang zum etablierten Establishment geradeso verwehrt, wie anno dazumal das Bürgertum dem Adel nicht zu nahe kommen durfte. Dennoch verschafft Geld - damals wie heute - Macht.

Wo sehen Sie die Herausforderung, Nestroy zu inszenieren?

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Dokument erstellt am 2017-04-11 16:27:08



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