• vom 12.04.2017, 16:35 Uhr

Bühne

Update: 12.04.2017, 16:55 Uhr

Theaterktitik

Saufbrüder und Schiffbrüchige




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Von Petra Paterno

  • Wedekind in Salzburg, Nestroy in Innsbruck, Fellini in Bregenz. Eine Theaterreise mit überraschendem Ergebnis.

Männerverschlingend in Salzburg: Franziska Becker in der Rolle der Gräfin Geschwitz in "Lulu" am Landestheater. - © Anna-Maria Löffelberger

Männerverschlingend in Salzburg: Franziska Becker in der Rolle der Gräfin Geschwitz in "Lulu" am Landestheater. © Anna-Maria Löffelberger



Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen, der Leistungsschau der Branche, stammen von zehn geladenen Inszenierungen nur drei aus den Metropolen Berlin, München und Hamburg, Stücke aus Leipzig, Mainz oder Dortmund sind in der Überzahl; Wien ist nicht vertreten. Überholen die Landesbühnen die urbanen Kulturstätten? Diese Frage wurde in deutschen Feuilletons bereits erörtert - und soll Anlass für eine heimische Theaterreise sein, von Wien in die westlichen Bundesländer, an die Landesbühnen von Salzburg, Innsbruck und Bregenz, zu jeweils aktuellen Premieren.

Glücksuche in Salzburg
Erste Station ist Salzburg, 312 Bahnkilometer von Wien. Intendant Carl Philip von Maldeghem inszeniert am Landestheater Frank Wedekinds männerverschlingende Verführerin "Lulu". Vor Vorstellungsbeginn kann das Publikum an improvisierten Roulettetischen sein Glück versuchen, während man im Zuschauerraum Platz nimmt, ertönt von der Bühne herab Musik, Klavier, Schlagzeug, Klarinette. Auftritt Franziska Becker als Gräfin Geschwitz. Im glitzernden Abendkleid trägt sie an der Bühnenrampe auf berückende Weise ein Lied vor und erntet Szenenapplaus. Mit dem gelungenen Auftakt vermag die folgende zweistündige Aufführung leider nicht mehr ganz Schritt zu halten. Auf der eleganten halbrunden Bühne in Weiß, auf der Salon- und Ateliertüren aufgerissen und zugeschlagen werden, entfaltet das elfköpfige Ensemble ein gekonntes Zusammenspiel, das die abgründigeren Dimensionen des Stücks nicht gänzlich auszuloten vermag. Nikola Rudle spielt die Titelfigur in einer Art schlafwandlerischen Zerstreutheit, die durchaus zündet, einer tieferen Befragung der alles vernichtenden Kraft des Eros jedoch nicht ganz standhält. Lulus Verführungskraft blitzt in Salzburg allenfalls durch.


Exotischer Nestroy



Weiter nach Innsbruck. Nestroys "Lumpazivagabundus" hat auf vielen Wiener Bühnen ein Dauerabo. In Tirol wirkt die Zauberposse dagegen wie eine Rarität. Die Aufführung am Innsbrucker Landestheater startet als Unfall. Knieriem stolpert auf das Podest, albert mit drei Musikern herum, die im Theatergraben sitzen; dann legt er sich hin, um seine Trunkenheit auszuschlafen. Es folgt ein "Lumpazivagabundus" als berauschter Traum: Die Feenwelt erinnert an den Eskapismus-Evergreen "Star Wars"; die Fantasiekostüme werden in der Inszenierung von Regisseurin Susi Weber, eine Fixgröße in der Tiroler Theaterlandschaft, mit Extraportionen Glamour und Glitter ausgestattet, selbst die Perücken haben XXL-Format (Bühne und Kostüme: Isabel Graf).

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-12 16:39:10
Letzte nderung am 2017-04-12 16:55:29



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