• vom 13.04.2017, 15:49 Uhr

Bühne


Theaterkritik

Betreuter Theaterspaß




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Hans Haider

  • Im "Jungen Volkstheater" wird nach Wünschen gefragt.

- © Alexi Pelekanos/Volkstheater

© Alexi Pelekanos/Volkstheater

30 mehrheitlich Minderjährige fordern im Sprechchor vom Innenminister den Stopp der Gesetzgebungsaktion: "Wir wollen demonstrieren, wo wir wollen!" Doch "die da oben" antworten nicht. Ein Mädchen will in Wien alle Politiker am Morgen in der U6 sehen, ein zweites wünscht sich "einen FKK-Strand nur für Frauen". Opa und Oma erwärmt die Erinnerung an die Anti-Borodajkewycz-Demonstration, die Fristenlösung, das Lichtermeer und die Demo 2000 "gegen Schwarz-Blau". Oma gesteht auch, sie gehe nie am Sonntag am Praterstern einkaufen, denn dort sei man völlig allein unter den vielen Fremden. Sie halte die Handtasche auch auf Rolltreppen fest an die Brust gepresst.

Das "Junge Volkstheater", mehr ein Sozial- als Kunstprojekt, stellte sich im Herbst mit eine Kinderballettvariante von Andersens "Mädchen mit den Schwefelhölzern" vor: kleine Traumtänzer in gelben Comic-Trikots wie auf einem fremden Stern. "Die Summe der einzelnen Teile", das neue Programm, holt Gegenwartsbefindlichkeit auf das Parkett der VT-Zweitbühne "Volx". Mit der "Spiegel"-Kolumnistin Sibylle Berg als Vordenkerin der aus Deutschland geholten VT-Pädagogik (Constance Cauers, Malte Andritter). Berg donnert im Programmheft proletkultiviert: "Wann endlich wird Umweltschutz zu einem Hauptkampfziel, statt die Wirtschaft mit unseren Geldern weiter zu subventionieren?"


Eine Wutbürgerchen-Revue
Mit dem "Donauwalzer", vom Chor geröhrt und zwei Kleinen keck gepfiffen, beginnt eine wienerische Wutbürgerchen-Revue und zugleich radikaldemokratische Abendschule. Ängste finden Ausdruck in rhythmischem Sprechen, Protestmärschen, Trutzgesten. Nicht auszuhalten, unterbräche nicht anarchischer Kinderwitz das politische Geraune. Ein Kubus steht mitten auf der Bühne. Hände und Gesichter durchdringen, ein alter Pantomimen-Trick, seine schwarzen Wände aus dicht gespannten Gummiseilen. Das Frozen Picture vorwärtsstürmender Kämpfer wiederholt eine museale Ikone der Sowjetavantgarde. Die Truppe ist vielfärbig, multikulturell, generationsdurchmischt und von so ungleichen Partnern wie dem Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig und der Volkshilfe gefördert.

Sobald sie von sich selber reden, erzwingen die Einzelnen mitfühlendes Zuhören für ihre Erfahrungen, Neigungen, Sorgen. Nicht aber, wenn sie Slogans vom jäh drohenden Ende der Demokratie nachplappern. Oder Angelika Merkels Rauten-Fingerzeig kopieren und dabei skandieren: "Ich nehme die Wahl an." Eine Parade zur Disco-Musik als letzte Lockerung. Die Schülerinnen und Schüler im Ensemble opfern für ihren betreuten Theaterspaß die Osterferien. Auch dafür verdienten sie sich den reichen Applaus.

Theater

Die Summe der einzelnen Teile

Constance Cauers, Malte Andritter (Regie)

Volx Margareten

Wh.: 15., 17. April, 11., 23. Mai




Schlagwörter

Theaterkritik, Volkstheater

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-13 15:54:09



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Mauer des Schweigens brach nach Jahren
  2. Leben in der demokratisierten Dachterrasse
  3. steiermark
  4. "Schmeißen Sie die alten Klischees weg"
  5. Die Ära des geilen Mannes
Meistkommentiert
  1. Das Hosentürl zum Ruhm
  2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  3. Die Ära des geilen Mannes
  4. Schönheitskönigin
  5. Je schwerer, desto leichter fällt es Barbara Hannigan

Werbung



Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.

Werbung



Werbung


Werbung