• vom 19.04.2017, 16:36 Uhr

Bühne

Update: 19.04.2017, 16:53 Uhr

Opernkritik

Zerdrückt im Land der Freien




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  • Sehenswert: An der Staatsoper zerbricht Kátja Kabanová wieder an einer kalten Welt.

Opfer enger Verhältnisse: Angela Denoke als K tja.

Opfer enger Verhältnisse: Angela Denoke als K tja.© Staatsoper/Pöhn Opfer enger Verhältnisse: Angela Denoke als K tja.© Staatsoper/Pöhn

(irr) Risikowochen an der Staatsoper: Seit Anfang April setzt Aribert Reimanns "Medea" wieder zeitgenössische Zeichen im Programm, ab kommendem Samstag zeigt Schostakowitschs "Lady Macbeth" erneut ihr herbes Haupt, und seit Dienstag steht mit "Kátja Kabanová" ein weiteres Frauenschicksal mit schroffen Noten auf dem Spielplan. Gewiss, solche Abende lassen die erfolgsverwöhnte Opernkasse etwas gedämpfter klingeln. Sie schaffen aber auch Argumente gegen die These, das Haus verwechsle seinen Bildungs- mit einem Unterhaltungs-Auftrag für Kulinariker.

Die "Kátja" darf dabei als Glücksfall gelten: Die (ewige) Rarität des Leoš Janáček stellt nicht nur eine aufwühlende, über die Tonalität wuchernde Musik vor, sie geht in Wien mit einer gelungenen Regie (von 2011) einher. André Engel hat die Tragödie aus einem Wolga-Dorf in eine US-Metropole des 20. Jahrhunderts versetzt. Klingt beliebig, ist es aber nicht. Kátja, an einen blassen Gatten und dessen Drachenmutter gekettet, später gewissenswund von einem Seitensprung, zuletzt tot in einem Fluss, wird von engen Verhältnissen erdrückt. Diese bleiben hier gewahrt: Auch die Wolkenkratzer-Tragödin ist Russin, und zwar als Teil einer hermetischen Exilanten-Gemeinde.

Information

Oper

Kátja Kabanová
Von Leoš Janáček; Wh.: 21. April

Angela Denoke (Kátja) porträtiert vor allem ein Zerrieben-Werden zwischen Pflichtgefühl und Lebenswille: Träumen ihre helllichten Töne anfangs vom Fliegen, während die verspannten Glieder leicht werden, sinniert sie zuletzt in gefühlsschweren Kantilenen vom Grab. Beseelter, beklemmender hätte dieses Rollendebüt (trotz kleiner Unschärfen) nicht geraten können. Beachtlich auch Misha Didyk als Heißsporn von einem Lover, Margaret Plummer als sanfte Varvara und Leonardo Navarro als Gatte. Schade, dass das Orchester unter der gerundeten Linienführung von Tomáš Netopil hier und da eine Note verfehlt; die Lücken schließen sich hoffentlich am Folgeabend. Und vielleicht auch jene im Parkett.





Schlagwörter

Opernkritik, Staatsoper

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Dokument erstellt am 2017-04-19 16:42:05
Letzte nderung am 2017-04-19 16:53:49



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