• vom 27.04.2017, 18:20 Uhr

Bühne

Update: 27.04.2017, 18:20 Uhr

Porträt

"Der amerikanische Traum lebt heute viel mehr in Europa"




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Von Christoph Irrgeher

  • Die Opernsängerin Laura Aikin über US-Präsident Trump, Neue Musik und eine Henze-Premiere im Theater an der Wien.

Laura Aikin auf einem Probenfoto der "Elegie für junge Liebende". - © Werner Kmetitsch

Laura Aikin auf einem Probenfoto der "Elegie für junge Liebende". © Werner Kmetitsch

Wien. Einen Monat ist es her, da übernahm Laura Aikin eine eher ungewöhnliche Rolle. Die US-Sopranistin, vor allem in Europa tätig und gefeiert, arbeitete einen Tag lang als Chauffeurin. Aber nicht für irgendwen. Aikin kutschierte eine Delegation ranghoher US-Demokraten durch ihre Wahlheimat Berlin. Wobei: Eigentlich wollte diesen Job ihr Sohn übernehmen. Er gehört schließlich einem Unterstützerverein der Partei an und hatte sein Auto bereits auf Vordermann gebracht. Unsinn, fand Aikin jedoch und stellte ihr deutlich größeres Gefährt zur Verfügung - und sich als Fahrerin.

Unnötig zu erwähnen, dass die Opernsängerin eher kein Fan von US-Präsident Donald Trump ist. "Ich habe alles getan, um das zu verhindern", sagt sie; die Sorge um das Heimatland würde manche ihrer Freunde um den Schlaf bringen. Aikin will die USA zwar nicht mies machen, aber: Es stehe mittlerweile schlecht um den "american dream". Für den ist sie selbst ein Beispiel. Aus bescheidenen Verhältnissen ist sie zur Operngröße avanciert, ermöglicht durch staatliche Unis. Diese seien inzwischen aber viel teurer. "Der amerikanische Traum", meint die Sängerin mit Blick auf das Bildungssystem, "lebt heute viel mehr in Europa".


Versuchskaninchen für Neutöner
Wobei: Wie war es überhaupt möglich, dass die Kunstmusik Europas zu ihr durchdrang - der Tochter eines Stahlarbeiters in der Kleinstadt Clarence in der Nähe von Buffalo? Erstens, sagt Aikin, hatte der Ort ein sehr gutes Musikprogramm. Zweitens litt sie zuhause unter einem gewalttätigen Vater. Sie habe sich dann "richtig reingeschmissen" in die Musik. Sie "liebte es, stundenlang zu üben", auch später an der Musikuniversität der nahen Großstadt. Der Leiter der dortigen Kompositionsklasse war Morton Feldman. Das ehrgeizige Mädchen, das schon mit 15 hohe Ds schmettern konnte, kam ihm gerade recht. "Ich war das Versuchskaninchen einer ganzen Generation von Kompositionsschülern", sagt Aikin nicht ohne Stolz.

Die Vorliebe für die Neue Musik ist ihr geblieben. Mit einem Stipendium bedacht, flog sie nach München, ein Jahr später streckte die Berliner Staatsoper die Fühler nach ihr aus. "Ich war die erste junge Sängerin, die Daniel Barenboim in sein Ensemble geholt hat", sagt sie. Dabei fand ihr Sopran nicht nur in gängigen Opern Verwendung, sondern auch in Raritäten wie Schönbergs "Jakobsleiter". Pierre Boulez, Legende der Neuen Musik, studierte das Werk damals ein, und er fand, so erzählt Aikin, rasch Gefallen an der Präzision der jungen Ensemblekraft. Die Folge: eine langfristige Zusammenarbeit, beginnend mit Boulez’ Stück für Orchester und Sopran "Pli selon pli".

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Dokument erstellt am 2017-04-27 16:27:11
Letzte nderung am 2017-04-27 18:20:27



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