• vom 19.05.2017, 16:38 Uhr

Bühne

Update: 19.05.2017, 16:45 Uhr

Opernkritik

Am fröhlichen Bügelbrett des Lebens




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Von Daniel Wagner

  • Die Kammeroper zeigt Antonio Salieris vernichtend amüsantes Resümee von Liebe und Eifersucht.

Passagierinnen auf dem Karussell der Liebe: Shira Patchornik (als Gräfin, vorne) und Anna Marshania Carlotta).

Passagierinnen auf dem Karussell der Liebe: Shira Patchornik (als Gräfin, vorne) und Anna Marshania Carlotta).© H. Prammer Passagierinnen auf dem Karussell der Liebe: Shira Patchornik (als Gräfin, vorne) und Anna Marshania Carlotta).© H. Prammer

Dass die Stimmung am Donnerstag in der Kammeroper heiter war, lag nur zu einem kleinen Teil am herrlichen Wiener Wetter. Der Erfolg dieses Abends mit Antonio Salieris bissig-fröhlicher Opera buffa "La scuola de‘ gelosi" ("Die Schule der Eifersucht", uraufgeführt im venezianischen Karneval 1778) war in der Hauptsache dem perfekt aufeinander eingespielten Jung-Ensemble des Hauses sowie einer charmanten Inszenierung mit verträumten Bildern im galanten Stil zu verdanken - und natürlich dem Werk selbst.

Dabei ist die Geschichte denkbar realistisch verworren. Wie es halt so ist, wenn man zwischen Liebe, Lust und Eifersucht am Bügelbrett des Lebens steht. Da wäre einmal der krankhaft eifersüchtige Blasio: Der italienische Bariton Matteo Loi setzte sich als tölpelhafter, aber dennoch Einsicht suchender Ehegatte perfekt in Szene. Genussvoll quälte ihn die Gemahlin Ernestina (bisweilen etwas kurzatmig, eine helle Stimme: Carolina Lippo) mit seiner eigenen Vorstellungskraft. War sie treu? Ging sie fremd? Trieb sie es gar mit dem verhassten Grafen?

Information

La scuola de' gelosi

Von Antonio Salieri

Jean Renshaw (Inszenierung)

Stefan Gottfried (Dirigent)

Wiener Kammeroper

Wirrwarr der Liebe

Denn der Graf selbst (Julian Henao Gonzalez, mit geradlinigem, wenig raumfüllendem Tenor) ließ das Mausen in Liebesdingen keinesfalls - auch nicht im Beisein des Hausherrn Blasio. Getreu den altbekannten Wüstlingsgeschichten liebte ihn die Gräfin (phänomenal präsent, in der Kraft der Stimme und des Auftritts: Shira Patchornik) unter Leidensdruck dennoch. Ergänzung boten die quirligen Lakaien Lumaca (schönes Timbre: Florian Köfler) und Carlotta (rotzfrech und gut: Anna Marshania).

Doch wie sollten all die vor Liebe Leidenden auskommen? Ignorieren lautet die Devise. So der Rat des gräflichen Offiziersfreundes: Weise, bisweilen verschlagen wirkend, jedenfalls impulsiv warf Aleksander Rewinski (begleitet von der stummen Rolle der zauberhaften Tänzerin Irene Bauer) immer wieder die Frage nach seiner Funktion auf. War er Advocatus Diaboli, treibende Kraft in den Schlag auf Schlag folgenden Wirrungen - oder vielleicht doch ein Deus ex machina, der zur Einsicht der Notwendigkeit ernsthafter Zweisamkeit verhalf? Jedenfalls erfüllte er die Rolle des klassischen Chores als handlungstreibende Kraft hin zur Auflösung des ausdünnenden Plots.

Kurzweil ist alles!

Dazwischen bot Caterino Mazzolàs Buch wenig Inhalt, dafür erging es sich getreu der Opera buffa im ureigenen Sinn der Form: Zeitvertreib, jede Menge Kurzweil, Arie hier, Rezitativ da und manch fröhlicher Moment sorgten für Genuss auf handwerklich hohem Niveau der Zeit. Angespornt wurde das Werk durch die klare Inszenierung von Jean Renshaw mit einer geschmackvollen, in geometrischen Mustern gehaltenen Ausstattung von Christof Cremer. Die Personenführung, vom gräflichem Boudoir bis zum Slapstick des verkleideten Narrentreibens im Hausfrauen-Wald, ließ herzhaft lachen.

Musikalisch konnte dem Wiener Publikum bei der Produktion nur das Herz aufgehen: Mit Stefan Gottfried stand nicht bloß ein profunder Kenner des klassischen Repertoires am Pult des Bach Consort Wien, mit ihm bediente einer der wesentlichen Cembalisten unserer Tage das Continuo-Instrument und gab dem musikalischen Geschehen eine hörbar lebendige, präzise Verve.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-19 16:42:08
Letzte nderung am 2017-05-19 16:45:58



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