• vom 16.06.2017, 15:52 Uhr

Bühne

Update: 16.06.2017, 16:02 Uhr

Theaterkritik

Anus anum amat




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Hans Haider


    Drei junge Frauen, vier junge Männer gebückt im Kreis gehend oder kriechend, jede oder jeder mit einem Finger im Hintern des Vordermanns beziehungsweise der Vorderfrau. Ein Zirkelspektakel: Anus anum amat. Eine Stunde lang gleitet das hüllenlose, doch theoriebefrachtete Aggregat über den Betonboden. Wie ein "Rattenkönig" - jenem Unglücksfall, bei dem sich die Schwänze mehrerer Tiere verknotet haben. Die Zuschauer folgen den mit sich beschäftigten Stummen von einem Eck der Halle ins nächste. Geschieht noch mehr? Nein, nur Gangwechsel von vor nach zurück, Handwechsel und manchmal Schnalzgeräusche. Die Gruppe "Macaquinhos", das heißt "Affen", brachte ihr Repertoire schon in den ersten Minuten in Stellung. Wie im Pornokonsum wird ein und dieselbe Sache rasch langweilig.

    Der Wiener Skandal-Aktionismus ging als antibourgeoise, also politische Geste in die Kunstgeschichte ein. Ambivalent zwischen Verzweiflung und Gaudi. Mit einem politischen Überbau, auf ein Loch konzentriert, werben die Gäste aus Brasilien: Der Anus sei zu verstehen "als körperliche Metapher für den Süden, gesellschaftliche delegitimiert und ausgegrenzt, dem normativen Norden durch Kolonialismus, Kapitalismus und Patriarchat unterworfen". Wurde das Feuer eines Indigenen-Aufstands nach Europa importiert oder die Asche eines nach Erregung gierenden Kulturbetriebs? Unfair Trade: Der kolonialistische Norden kann es sich leisten, das eine wie das andere einzukaufen. Körperkitsch für Zuschauer ab 18 Jahren - so die schamvolle Selbstbeschränkung im Festwochen-Prospekt.

    Information

    Performance
    Macaquinhos
    Performeum der Wiener Festwochen





    1 Leserkommentar




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-06-16 15:56:13
    Letzte nderung am 2017-06-16 16:02:33



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. steiermark
    2. "Fühle mich wie ein Partisan"
    3. In eigener Sache
    4. "Minenfelder ohne Landkarte"
    5. "Das ist es, wofür ich stehe"
    Meistkommentiert
    1. Das Hosentürl zum Ruhm
    2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
    3. Die Ära des geilen Mannes
    4. "Das ist es, wofür ich stehe"
    5. Schönheitskönigin

    Werbung



    Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

    Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

    Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.

    Werbung



    Werbung


    Werbung