• vom 11.07.2017, 16:37 Uhr

Bühne


St. Margarethen

Es werde Licht




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Von Christoph Irrgeher

  • Philippe Arlaud, Regisseur mit Liebe zum Lichteffekt, inszeniert beim Opernfestival St. Margarethen. Ein Gespräch über Verdis "Rigoletto", die machtlosen Frauen des Stücks und kalte Probennächte.

- © Arenaria GmbH

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St. Margarethen. Wer Philippe Arlaud treffen will, muss sich ins Burgenland bemühen. Der Franzose werkt dort momentan in einem Steinbruch und seine Arbeitszeiten passen zu den martialischen Vorstellungen von einem solchen Dienstort. Zwar haut Arlaud in St. Margarethen keine Felsen klein, sondern inszeniert Oper. Dennoch ist Freizeit für ihn Mangelware. Wie viel arbeitet er täglich? "Rund 20 Stunden", sagt der Franzose bei einem Treffen. "Unlängst zum Beispiel hatten wir den ganzen Tag über Proben, in der Nacht haben wir bis fünf Uhr früh Lichteffekte programmiert. Um acht Uhr morgens war ich wieder da."

Frostige Lichtproben mit Decke
Dazu muss man wissen: Arlaud ist nicht nur regieverantwortlich. Auf der 78 Meter breiten Freiluftbühne zeichnet er auch für die Kulissen verantwortlich. Und er ist, wie so oft in seinem Berufsleben, Herr der Lichtanlagen. Wobei sich deren Einstellungen hier natürlich nur nachts proben lassen. Dabei kann es auch im Sommer bitterkalt werden. "Irgendwann, als wir da oben saßen, hatte es plötzlich nur mehr zehn Grad", sagt Arlaud und fröstelt noch im Gedanken daran. Er sitzt beim Interview in einem Gebäude am Rand des Festspielgeländes; auf dem Sofa seines Zimmers liegt eine verknuddelte weiße Decke. Die hat er bei langen Nachtdiensten mit. Wie viel Energy-Drinks verbraucht er so pro Tag? Antwort: "Gar keine. Nur Lust und Spaß, das sind meine einzigen Drogen. Das war immer so in meinem Leben. Es ist ja auch ganz normal, dass es bei Produktionen intensivere Phasen gibt."


Arlaud kann davon ein Lied singen. Der Pariser hat 1977 erstmals Hand an eine Bühne angelegt, damals als Beleuchtungs-Designer. Dem Licht galt auch danach sein Interesse, als er in den 80ern zum Regisseur avancierte und vorerst im Sprechtheater (wie etwa am Wiener Schauspielhaus) für blendende Effekte sorgte. Ab den 90ern werkte Arlaud dann auch für das Musiktheater, arbeitete sich von der Wiener Kammeroper hoch bis zu den Bayreuther Festspielen mit Christian Thielemann als Pult-Partner - 2002 war das. Sein "Tannhäuser" wurde dann aber von der Kritik zerzaust und sollte Arlauds einzige Arbeit an der Wagner-Weihestätte bleiben. In den Vorjahren präsentierte er als Leiter des Feldkirchfestivals in Vorarlberg moderne Opern, verlagerte seinen Arbeitsschwerpunkt aber weitgehend nach Fernost.

Steinbruch im Umbruch
Im Vorjahr dann ein Anruf in Sachen Margarethen: Christoph Thoma habe ihn kontaktiert, sagt Arlaud. Der Steinbruch war damals im Umbruch: Thoma war als Leiter des Bereichs Kultur und Tourismus von den Esterházy-Betrieben engagiert worden, und er brachte sich offenbar auch bei deren Opernfestival ein. Zwei Monate nach Dienstbeginn verließ er den burgenländischen Großgrundbesitzer aber schon wieder. Auch die damalige Margarethen-Intendantin Maren Hofmeister ging fort - der Posten wurde nicht nachbesetzt.

Bleibt also Arlaud, um hier künstlerische Visionen zu verwirklichen. Naturgemäß tut er das mit viel Licht. Für Verdis "Rigoletto" bietet er unter anderem 16 Projektoren auf: Sie sollen der Handlung effektvoll zuarbeiten und die Felsen per "Video-Mapping" in diverse Objekte verwandeln. Zudem sollen Filmbilder, an denen Arlaud ein halbes Jahr im Studio gearbeitet habe, Raum greifen.

Was interessiert ihn an dem Stück über den Hofnarren eines fürstlichen Wüstlings? Nicht die "veraltete" Kritik an der Aristokratie. Arlaud will die Frauenfeindlichkeit im Palast ins Zentrum rücken, vor allem gegenüber Gilda: Ihre Frühlingsgefühle für den Despoten münden in Entführung, Vergewaltigung und Ermordung. "Da ist das Stück sehr aktuell", findet Arlaud: In Gildas Idealismus spiegle sich unser eigener wider, der in einer zynischen Welt zuschanden gehe - "eine Sauerei". Das rituelle Schlussfeuerwerk werde es heuer trotzdem geben, aber mit einer gehörigen Prise Sarkasmus: Am Ende feiere sich der Gewaltherrscher in all seiner Pracht und im prallen Lustvollzug selbst. Ob das aufgeht? Es wird sich bei der Premiere am heutigen Mittwoch weisen.




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Dokument erstellt am 2017-07-11 16:42:08



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