• vom 17.07.2017, 16:12 Uhr

Bühne

Update: 17.07.2017, 21:40 Uhr

Interview

"Lasse mir nicht alles bieten"




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Von Petra Paterno

  • Josefstadt-Doyenne Marianne Nentwich feiert am 22. Juli ihren 75. Geburtstag. Ein Gespräch über ihr Leben auf der Bühne.

"Das schlechte Gewissen ist ständiger Begleiter": Nentwich über Kind und Karriere.

"Das schlechte Gewissen ist ständiger Begleiter": Nentwich über Kind und Karriere.© apa/H. Neubauer "Das schlechte Gewissen ist ständiger Begleiter": Nentwich über Kind und Karriere.© apa/H. Neubauer

"Wiener Zeitung":1964 kamen Sie als Quereinsteigerin an die Josefstadt, Ihr damaliges Rollenfach war "das süße Mädchen." Wie kann man sich das vorstellen?

Marianne Nentwich: Ach, so viel hat sich gar nicht verändert. Wenn eine junge, attraktive Schauspielerin mit gewisser Ausstrahlung an ein Haus kommt, wird sie sich heute wohl in ähnlichen Rollen wiederfinden. Regisseure und Direktoren neigen nach wie vor dazu, Leute, die sich für etwas eignen, typgerecht zu besetzen.


Haben Sie das damals als Korsett empfunden?

Man war mehr in einem Rollenfach eingesperrt als heute. Es ist schon etwas lockerer geworden. Das war auch mein Glück. Innerhalb weniger Jahre im "älteren Fach" kamen unterschiedlichste Rollen auf mich zu, darunter viele Charakterrollen, Angebote beim Film, zunehmend auch komische Partien. Ich konnte immer wieder Neuland betreten, mich als Schauspielerin entfalten. Das macht den Beruf bunt.

Anfang der 1970er Jahre spielten Sie in "Emilia Galotti" an der Seite von Klaus Maria Brandauer die Titelrolle, Fritz Kortner inszenierte. Wie war die Zusammenarbeit mit dem legendären Regisseur?

Das war sehr schwierig. Ich war ihm in keiner Weise gewachsen. Der Kortner war - auch wenn er Theatergeschichte geschrieben haben mag - ein schwieriger Mensch, der Schauspieler während der Proben richtiggehend quälte. Frauen hatten es bei ihm besonders schwer.

Wie war es für Brandauer?

Den hat er geliebt. Er war überhaupt der Einzige, den er nicht schlecht behandelte. Braundauer beherrschte schon in jungen Jahren das schauspielerische Handwerk aus dem Effeff, sein Talent imponierte Kortner. Im Lauf der Jahre habe ich viele Regisseure kennengelernt, die einem im Probenprozess das letzte Bisschen Selbstvertrauen rauben konnten. Man muss diesen Menschen Paroli bieten, Grenzen aufzeigen. Heute kann ich das, damals konnte ich es nicht.

Auf der Bühne wird das Menschliche verhandelt und hinter der Bühne geht es dabei nicht selten unmenschlich zu. Warum ist das so?

Ich weiß es wirklich nicht. Im Ensemble und mit allen Mitarbeitern des Hauses pflegen wir einen freundschaftlichen, geradezu familiären Umgangston. Warum Regisseure manchmal andere Saiten aufziehen und Leute niedermachen, ist mir ein Rätsel. Zumal sie wissen müssten, dass man in einer Atmosphäre der Angst nicht kreativ arbeiten kann. Vielleicht liegt es an der Macht, die mit dem Status des Regisseurs einhergeht? Jedenfalls bin ich mittlerweile alt genug, um mir so etwas nicht mehr bieten zu lassen.

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Interview, Marianne Nentwich

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-17 16:18:06
Letzte nderung am 2017-07-17 21:40:44



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