• vom 27.07.2017, 13:27 Uhr

Bühne

Update: 27.07.2017, 13:57 Uhr

Performance-Kritik

Alles Walzer im leeren Raum




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Von Hans Haider


    Liebevoller als mit Walzern bei seinem fünften Impulstanz-Gastspiel seit 1997 hätte sich der deutsche Performer Raimund Hoghe Wien nicht nähern können. Doch das Publikum behandelte ihn schofel. Mehr als halb leer das Akademietheater nach Pause des mit drei Stunden gewiss zu langen Programms. Sogar die Titelnummer "La valse" hieß bei Maurice Ravel zuerst "Wien". Mit dieser Verherrlichung des Walzers eröffnet Guy Vandromme am Bösendorfer den Abend. Während Hoghe sein Ohr auf den Tanzboden presst. Dort sehen wir ihn später mit den Armen wie ein Schiffbrüchiger rudern zur kompletten "Valse" in originaler Orchesterfassung. Das Meer? Hoghe benetzt, in einer O-Ton-Kulisse von einem Seenotfall, das Parkett wie der barfüßige Bruder Gärtner mit einer Gießkanne.

    Hoghes Zauberhand

    Information

    Performance
    Raimund Hoghe: La valse
    Akademietheater/Impulstanz

    Ein kleiner Herr, verwachsen, mit strengem Gesicht, der Mund wie zugenäht. Seine Zauberhand gebietet über Leere, Langsamkeit, metaphysische Ruhe. Der Trick möge gelingen: Lass dich mit synkopischem Tripp-Trapp in Walzerseligkeit wiegen! Jacques Brel, Rod Stewart mit der Ballade "Waltzing Matilda", Tennessee-Waltz, Barkarole, "An der schönen blauen Donau": ein Universalpotpourri. Als akustische Kulisse auch Wind und Wetter, orientalischer Markt, Radiogekrächze. Zwei Damen und Herren wie im Ballsaal in Lackschuhen, von Tempo null bis hundert hyperpräzise. Die Kostüme reduziert auf anthrazit bis braun. In Gold- und Silberfolie dreht sich nur der Meister. Ein Vexierbild von Jammer und Glück. Wie Hoghe neben einer ranken Schönheit als Hochzeitspaar.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-07-27 13:33:06
    Letzte nderung am 2017-07-27 13:57:17



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