• vom 02.08.2017, 16:14 Uhr

Bühne

Update: 02.08.2017, 16:24 Uhr

Performance-Kritik

Du bist nicht alleine




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Verena Franke

  • Wim Vandekeybus’ jüngste Performance als religiöser Diskurs.

Starke Bilder mit religiösen Zitaten. - © Danny Willems

Starke Bilder mit religiösen Zitaten. © Danny Willems

Es ist wie Noahs Arche, nur ohne Schiff. Und Noah ist hier ein Kind, der zum Messias wird. Diesmal setzt der belgische Performance- und Filmemacher Wim Vandekeybus in Form einer fiktiven Dokumentation auf einen religiösen Diskurs, hinterfragt Gottgläubigkeit und Fanatismus: "Mockumentary Of A Contemporary Saviour", hatte am Dienstag beim Impulstanz-Festival seine österreichische Erstaufführung.

Die Menschheit hat die Apokalypse hinter sich, nur wenige haben überlebt und sind nun unsterblich. Gerettet hat sie ein Kind, das sie in ein Refugium gebracht hat. Sie sind ungefragt die Auserwählten an diesem letzten Zufluchtsort. Da trifft nun eine französische Hure - und übrigens die Mutter des Retterkinds - auf einen italienischen Poeten, eine Mandarin sprechende Taiwanesin auf einen amerikanischen Humanisten und ein weiser blinder Orientale auf eine russische Lebenskünstlerin. Sie verkörpern gesellschaftliche Stereotypen, die ideologisch sehr bald aufeinanderprallen. Allzumenschlich werden die Unsterblichen in ihrer Angst vor der Zukunft - und hoffen und glauben an ihren Messias, das Kind.

Information

Weitere Beiträge zum Festival unter www.wienerzeitung.at/impulstanz

Performance

Wim Vandekeybus: Mockumentary Of A Contemporary Saviour

Volkstheater/Impulstanz-Festival

Wh. am 3. August

Sprache mit Tanzintermezzi

Vandekeybus ist seit Jahrzehnten bekannt dafür, dass jedes seiner Werke gänzlich neu ist. So auch "Mockumentary Of A Contemporary Saviour", das im April dieses Jahres seine Premiere in Belgien feierte. Nun setzt er hauptsächlich auf Sprache mit kurzen Tanzintermezzi, die vor allem die inneren Qualen und die Zerrissenheit der Gläubigen verkörpern. Mit unglaublicher Kraft und Geschmeidigkeit wird hier geschüttelt und geworfen. Auf unterschiedliche Größen und Gewicht wird nicht geachtet. Die Unverwechselbarkeit des Vandekeybus-Ensembles ist gerade in diesen Sequenzen deutlich zu erkennen. Die Dialoge, die meist durch eine aufgeworfene Frage eines Performers mit Fingerzeig auf einen anderen entstehen, sind eher seichter Natur: Was ist Leben? Die Antworten: eine Lotterie, ein Mysterium, ein Test für das nächste Leben. Selbstgeißelung darf im religiösen Kontext auch nicht fehlen, dazu gibt es Rollenspiele à la Happy Family und Sequenzen, die an eine therapeutische Sitzung erinnern.

Feiner Tiefgang fehlt, und das Stück wird mehr und mehr zu einer - immerhin - respektablen bilderhaften Aneinanderreihung religiöser Zitate und Ikonen. So entstehen, trotz der außergewöhnlichen Lichtregie (Davy Deschepper, Wim Vandekeybus) und spacigem Sound (Charo Calvo), dramaturgische Längen, die einige Zuschauer zum Gehen anregen. Sie versäumen aber das Ende, nämlich die Aufhebung des Bühnenraumes: Die Performer kraxeln über die Sessel im Zuschauerraum und versichern ihnen, dass jemand sie liebt, dass sie nicht alleine sind. Ja, eh!





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-02 16:18:08
Letzte nderung am 2017-08-02 16:24:51



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wie gewonnen, so verschwunden?
  2. Kein "Irrer mit der Bombe"
  3. Kleine Stimme, große Kunst
  4. Heiter dem Tausender entgegen
  5. Weder Nachtigall noch Lerche
Meistkommentiert
  1. Die Kamera als Schutz
  2. "Ohne Polen kollabiert London"
  3. Woher kommt der Mensch?
  4. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  5. Mit indignierter Distanz

Werbung



CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung


Werbung