• vom 11.08.2017, 15:58 Uhr

Bühne

Update: 21.08.2017, 15:21 Uhr

Opernkritik

Das lange Warten




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Von Oliver Schneider

  • Ole Anders Tandberg inszenierte "Il ritorno d’Ulisse in patria" bei den Innsbrucker Festwochen für Alte Musik.

Wiedergefunden: Christine Rice und Kresimir Spicer als Odysseus und Penelope.

Wiedergefunden: Christine Rice und Kresimir Spicer als Odysseus und Penelope.© Rupert Larl Wiedergefunden: Christine Rice und Kresimir Spicer als Odysseus und Penelope.© Rupert Larl

Die Innsbrucker Festwochen für Alte Musik wurden am Donnerstag mit Claudio Monteverdis Spätwerk "Il ritorno d’Ulisse in patria" in einer musikalisch und szenisch rundherum gelungenen Aufführung eröffnet. Die Festwochen feiern damit den 450. Geburtstag des Cremoneser Komponisten.

Beim norwegischen Regisseur Ole Anders Tandberg wartet eine in einen Dornröschen-Schlaf versunkene Hochzeitsgesellschaft samt Braut Penelope auf den in Troja Krieg führenden und danach aufgrund von Götterintrigen 20 Jahre umherirrenden Odysseus.


Götterfamilie mit Engelsflügeln
Für sein Ithaka hat Tandberg Ideen in seiner Heimat gefunden, unter anderem einem Restaurant mit dem symptomatischen Namen "Olympen", das in Innsbruck die Götterfamilie führt (Bühne: Erlend Birkeland). Damit den Damen und Herren noch ein letzter Rest göttlicher Würde verbleibt, verpasst ihnen Kostümbildnerin Maria Geber Engelsflügel.

An der Hochzeitstafel ist der eigentliche Grund des Festes längst vergessen. Penelopes Dienerin Melanto (ansprechend: Vigidis Unsgård) vergnügt sich mit ihrem Geliebten Eurimaco (schlank: Petter Moen) unter dem Tisch, während die drei Freier Antinoo, Pisandro und Anfinomo alles unternehmen, um die wartenden Penelope für sich zu erobern. Einmal als Seeleute verkleidet, ein anderes Mal als rappende Phäaken bilden sie gemeinsam mit dem Schmarotzer Iro die dritte, volksnahe Spielebene des 1640 in Venedig uraufgeführten Werks. Deshalb dürfen sie auch dreibeinig zum eingefügten Madrigal "Zefiro torna", weil original nicht für das ganze Libretto Musik vorhanden ist, die Tanzbeine schwingen.

Penelope wehrt sich standhaft gegen alle Verlockungen (stimmlich edel: Christine Rice). Ja, sie will nicht einmal ihren echten Odysseus wiedererkennen, als er nach vielen Prüfungen zurückkehrt, wenn auch als Bettler verkleidet. Während die Freier nicht in der Lage sind, Odysseus’ Bogen zu spannen, ist das für den Verkleideten natürlich ein Kinderspiel. Aber nichts kann Penelope bewegen. Zu groß ist die Unsicherheit, nun mit dem echten Odysseus (mit Kraft: Kresimir Spicer) einen Neustart zu wagen. Erst nach Odysseus’ Preisgabe eines Geheimnisses zu ihrer Bettdecke lässt sie sich auf das Wagnis ein, auch wenn Monteverdi im berückenden Schlussduett der beiden musikalisch den Zweifeln weiter Ausdruck verleiht.

Odysseus Heimat ist Norwegen
Dass Tandbergs Ulisse in Norwegen spielt, lässt sich, neben dem realen Restaurant-Bezug, mit der Zeitlosigkeit des Stoffes rechtfertigen. Gut ist, dass er immer wieder versucht, bewusst Brechungen zwischen Text und Bühne zu suchen, ebenso gelungen sind die Personenführung und -zeichnung. Erwähnt sei deshalb noch Odysseus’ ebenfalls zurückkehrender Sohn Telemaco, dem man das Fehlen einer strengen Vaterhand anmerkt (viril: der Counter David Hansen).

Monteverdis Werk eröffnet auch dem Orchester und Dirigenten viele Möglichkeiten, weil für jede Aufführung eine neue Spielfassung erstellt werden muss. Alessandro De Marchi hat auf der Basis des zeitgenössischen Instrumentariums Monteverdis Vorgaben durch Farben und Kontraste so angereichert, dass sich die drei Spielebenen klar unterscheiden. Die raschen, oft abrupten Wechsel in Tempo, Harmonie und Ausdruck erklingen bruchlos, und die Academia Montis Regalis imponiert mit einer souveränen Leistung.

Oper

Il ritorno d’Ulisse in patria

Von Claudio Monteverdi

Ole Anders Tandberg (Regie)

Alessandro De Marchi (Dirigent)

Tiroler Landestheater




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-11 16:03:14
Letzte nderung am 2017-08-21 15:21:11



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