• vom 17.08.2017, 16:20 Uhr

Bühne

Update: 17.08.2017, 20:39 Uhr

Oper

Zuhause bei den fliegenden Arien




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Von Judith Belfkih

  • Sopranistin Anna Prohaska zählt zu den Shooting-Stars der Klassik-Szene. In Salzburg singt sie in Aribert Reimanns "Lear".


© DG/Harald Hoffmann © DG/Harald Hoffmann

Salzburg. Anna Prohaska, Wahl-Berlinerin mit Wiener Wurzeln, ist eine erfrischend unprätentiöse Vertreterin einer neuen Sängergeneration. Mit Talent, Natürlichkeit und Gestaltungswillen ausgestattet, lässt sie sich nicht auf Genres oder stilistische Epochen festlegen. Die internationalen Opernbühnen buhlen um die 34-Jährige, in ihren fein programmierten Liederabenden kann sie ihre Liebe zum Tüfteln ausleben. Auch wenn die Worte beim Interview nur so aus ihr sprudeln, so steckt doch hinter jedem Satz eine klare Haltung, besticht Prohaska durch den Charme jugendlicher Tiefgründigkeit. Ein Gespräch über die neuen Anforderungen an Sängerinnen, die trügerische Gefahr von Vorbildern und die Lust am Spiel mit Dialekten.

"Wiener Zeitung": Von Sozialen Medien bis zu Marketingauftritten - junge Sänger müssen heute mehr können, als nur gut zu singen. Ist es schwer, sich da abzugrenzen?


Anna Prohaska: Man ist hin- und hergerissen. Es wird von uns Künstlern erwartet, viele Einblicke zu geben über Soziale Medien, auch ins Privatleben, in die Situation vor einem Auftritt, in der Pause. Aber das sind Momente, in denen ich sehr gerne konzentriert bin, bei mir bin. Ich bewundere das, wenn meine Kollegen da noch Videos posten. Ein bisschen mitspielen bei diesem Social-Media-Wahnsinn ist wunderbar, aber irgendwann reicht es. Da will man dann auch einfach abschalten.

Ist Aussehen in diesem sehr optischen Zeitalter wichtiger als früher?

Dass man repräsentativ aussehen muss, weiß man seit 50 Jahren. Maria Callas war da wahrscheinlich die erste Opern-Stil-Ikone. Es kommt für mich auf die Stimme an, die Musik, auf das Programm und die Abwechslung. Welche Figur man hat, spielt doch da keine Rolle, aber das Körpergefühl ist wichtig. Auch dicke Leute verlieben sich, auch dünne Leute bewegen sich schlecht auf der Bühne. Es gehört eine körperliche Fitness dazu, Opernsängerin zu sein. Das hat nichts mit Kilos zu tun oder wie sie verteilt sind.

Lieber Konzertsaal oder Bühne?

Ich möchte keines missen. Wenn ich zu viele Konzerte hintereinander habe, vermisse ich das Schauspielen, die Maske, die Kostüme, hinter denen man sich verstecken kann, etwas Neues kreieren, einmal ganz anders aussehen. Wenn man dann zu viele Vorstellungen von einem Stück hintereinander gemacht hat, denkt man sich: Jetzt würde ich gerne wieder ein verrücktes Konzertprogramm machen. Wo ich mit dem Orchester auf der Bühne Musik mache und ganz in und bei der Musik bin, wo ich mich nicht über den Orchestergraben kämpfen muss. Und mir auch keine Gedanken machen muss, ob ich den Text vergesse.

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Dokument erstellt am 2017-08-17 16:24:06
Letzte nderung am 2017-08-17 20:39:18



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