• vom 19.08.2017, 19:36 Uhr

Bühne

Update: 19.08.2017, 19:37 Uhr

Konzertkritik

Schicksalswerk im Sonnenschein




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christoph Irregeher

  • Das West-Eastern Divan Orchestra bei den Salzburger Festspielen.

Es stimmt schon: Daniel Barenboim ist ein verdienter Mann, und er war am Freitagabend glänzend in Form. Dennoch kein Grund, den 74-jährigen Dirigenten noch vor der letzten Note mit Applaus zu überschütten. Die Euphorie ging mit mangelnder Werkkenntnis Hand in Hand: Was manche Gäste im Großen Salzburger Festspielhaus als Ende von Tschaikowskis Fünfter deuteten, war tatsächlich die Pause vor der wuchtigen Schluss-Coda.
 
Aber wer weiß: Vielleicht hätte die Symphonie diesmal gar nicht ihre letzten zwei Minuten gebraucht. Tschaikowskis Fünfte ist ein dunkler Tummelplatz autobiografischer Bezüge; in den letzten Takten mündet all der Weltschmerz, all das Sträuben gegen ein unerbittliches Schicksal in ein (je nach Lesart: triumphales oder fatalistisches) Schlusswort. Unter Barenboim machte es dagegen von Anfang an nicht den Anschein, als würde hier ein Daseinskampf auf verlorenem Posten ausgefochten. Der Stardirigent straffte die Tempi, stachelte den Elan seines West-Eastern Divan Orchestras an, stellte die Zeichen auf Bravour und ließ so auch über den Schicksalsschlachten des Schlusssatzes eine fröhliche Sonne aufgehen. Vielleicht kein biografisch richtiger, aber ein gewinnender Ansatz.
 
Begonnen hatte der Abend mit den tönenden Kämpfen des "Don Quixote". Ein Abenteuer mit Abstrichen: Um in dieser symphonischen Dichtung nicht nur das Orchestrierungsgenie von Richard Strauss leuchten zu lassen, bedürfte es eines energischeren Pinselstrichs, als ihn Barenboim hier an den Tag legt. Kian Soltani, mit seinen Cello-Solos als Vertreter des bizarren Titelhelden tätig, glänzte indes nicht nur durch Virtuosität, sondern auch durch Schalk und Verve und verlieh der Wiedergabe so einen Hauch närrischer Ritterromantik.

Information

Konzert

West-Eastern Divan Orchestra
Großes Festspielhaus
Salzburger Festspiele





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-19 19:37:06
Letzte nderung am 2017-08-19 19:37:21



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. liebe
  2. Ist da jemand?
  3. Möge die Schlacht mit uns sein
  4. Vom Kunstgewerbe zur Kunstpille
  5. Disney auf dem Weg zur medialen Allmacht
Meistkommentiert
  1. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  2. Die Kamera als Schutz
  3. "Ohne Polen kollabiert London"
  4. Neun US-Medien sind "ausländische Agenten"
  5. am grabstein

Werbung



CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung


Werbung