• vom 03.09.2017, 20:27 Uhr

Bühne

Update: 04.09.2017, 11:20 Uhr

Kabarett

Eine Lange Nacht mit einem bunten Haufen




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Moritz Ziegler

  • Vier Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten, treffen diesmal bei der "Langen Nacht des Kabaretts" aufeinander.

David Scheid und Isabell Pannagl bei der "Langen Nacht des Kabaretts". - © Moritz Ziegler

David Scheid und Isabell Pannagl bei der "Langen Nacht des Kabaretts". © Moritz Ziegler

Chris Heller, Jimmy Schlager, Christoph Fritz, David Scheid, Isabell
Pannagl und Christoph Helm sind das aktuelle Ensemble bei der langen
Nacht des Kabaretts.

Chris Heller, Jimmy Schlager, Christoph Fritz, David Scheid, Isabell
Pannagl und Christoph Helm sind das aktuelle Ensemble bei der langen
Nacht des Kabaretts.
© Moritz Ziegler Chris Heller, Jimmy Schlager, Christoph Fritz, David Scheid, Isabell
Pannagl und Christoph Helm sind das aktuelle Ensemble bei der langen
Nacht des Kabaretts.
© Moritz Ziegler

Isabell Pannagl, David Scheid, Christoph Fritz und Jimmy Schlager haben zueinandergefunden und teilen sich gemeinsam die Bühne. Gleich zu Beginn stecken die vier Künstler die Rahmenbedingungen für den Abend ab. Das Motto: "Wir spielen so lange Sie wollen", aber auch "so lange wir Lust haben". "Wir", das sind die vier Kabarettisten. "Sie", das ist das Publikum. Nachdem diese Parameter geklärt sind, beginnt die bunte Kabarett-Staffette.

Information

Mehr zur Langen Nacht des Kabaretts:
www.langenachtdeskabaretts.at

Da wäre erst einmal Isabell Pannagl: eine stimmgewaltige Niederösterreicherin, die sich die Aufmerksamkeit des Publikum rasch gesichert hat. Mit ihr geht es auf eine Berg- und Talfahrt der Beziehungen. Sie entlarvt vermeintliche Partnerschaften im Publikum und lässt die Anwesenden im Saal auch etwas nervös werden, nach dem Motto: "Hoffentlich spricht sie jetzt nicht ausgerechnet mich an." Aber sie erzählt auch Anekdoten aus ihrem persönlichen Umfeld. Und für die eigene Beziehung besucht die Pannagl auch schon einmal einen Baumarkt. Eine Welt für Männer. Ein riesiger Spielplatz. Mit schriller Stimme fragt sie sich, was sie hier eigentlich sucht. Ach ja, es war ein Hammer. Mit dem lässt sich auf Beziehungen und Partnerschaften eindreschen.

Christoph Fritz hingegen findet man eher hinter der Spielkonsole als im Baumarkt, wenn man Isabell Pannagl glauben darf. Das Küken in der Truppe verkörpert die pure Unbeholfenheit. Er ist wirklich jung – 23 Jahre – und gibt sich entsprechend schüchtern. Versteckt sich hinterm Mikrofon und braucht auch sonst nicht viel Platz. Hin und wieder ein paar Bewegungen mit der Hand als optisches Lebenszeichen müssen da genügen. Mit einer Wucht hingegen schlagen einem dann seine Ausführungen entgegen. Wenn er von Kaffhausen am Wagram erzählt. Einem Ort, in dem der Zug nur einmal im Jahr stehen bleibt, immer dann, wenn sich jemand auf die Gleise gelegt hat. Kaffhausen eben. 500 Einwohner, davon 400 blutsverwandt. Es sind grenzwertige Ausführungen, bei denen seinen Zuhörern das Lachen im Hals stecken bleibt.

Das Küken: Christoph Fritz wirkt nur schüchtern.

Das Küken: Christoph Fritz wirkt nur schüchtern.
© Moritz Ziegler
Das Küken: Christoph Fritz wirkt nur schüchtern.
© Moritz Ziegler

Wem Isabell Pannagl zu schrill und Christoph Fritz zu grenzwertig sind, dem bleibt David Scheid, ein Discjockey mit entsprechendem Equipment, der zweifelsohne sein Handwerk versteht. Sein Auftreten ist weder schrill noch schüchtern, eher ein wenig verplant, mit Dreitagebart im vom Bühnenlicht geblendeten Gesicht - doch David Scheid überrascht mit seinen Skills an den Tunrtables. Ein Mix aus Werbe-Jingles und allgemeingültigen Überlegungen zur täglichen Ressourcenverschwendung – wie im Klo hinuntergespültem Hochquellwasser – treffen hierbei auf einen Sound, dessen Zielgruppe eher in den Innenstadt-Clubs abhängt.

Slang-Pop aus dem Weinviertel

Die Zielgruppe von Jimmy Schlager trifft man hingegen doch vermehrt im Kabarett. Gemeinsam mit Bandkollege Chris Heller am Akkordeon und Christoph Helm an der Gitarre gibt er der "Langen Nacht des Kabaretts" einen musikalischen Anstrich. Im Dialekt werden Zahnarzt- und Beauty-Ausflüge nach Ungarn besungen. "Mosonmagyarovar neue Zähne müssen billig sein und weiß". Rhythmisch werden in Mundart die verschiedenen Seiten des Billig-Einkaufs in Ungarn beleuchtet. Vor allem Jimmy Schlagers Anmoderationen geben dem Slang-Pop aus dem Weinviertel einen kabarettistischen Touch.

Dass einige Gäste bei der Premiere bereits vor der letzten Zugabe den Saal verließen, mag nicht nur mit dem in die Länge gezogenen Programm zu tun gehabt haben, sondern auch mit dem noch warmen Wetter an diesem Tag (im Saal war es bald drückend schwül). Ein komprimierteres Programm wäre freilich sicherlich nicht verkehrt, damit die Kabarettfans bis zur letzten Zugabe mir einem Lächeln im Gesicht auf
ihren Sesseln sitzen bleiben.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-03 20:46:14
Letzte Änderung am 2017-09-04 11:20:27



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Moonwalk in die Ewigkeit
  2. Ozeanische Gefühle
  3. Heeresgeschichtliches Museum bietet virtuelle Tour
  4. Nothung, neidliches Brotmesser
  5. Das Auge und Ohr Burundis
Meistkommentiert
  1. Karajan und kein Ende
  2. Die Zukunft gehört den Singles
  3. Die Kamera als Schutz
  4. "Ohne Polen kollabiert London"
  5. Woher kommt der Mensch?

Werbung



CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung


Werbung