• vom 08.09.2017, 16:44 Uhr

Bühne

Update: 08.09.2017, 16:55 Uhr

Opernkritik

Gipfeltreffen der Kraftstimmen




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  • Nicht nur Anna Netrebko intensivierte am Donnerstag einen "Trovatore" an der Staatsoper.

Wunder - und Abhilfe: Netrebko als Leonora.

Wunder - und Abhilfe: Netrebko als Leonora.© Staatsoper/Pöhn Wunder - und Abhilfe: Netrebko als Leonora.© Staatsoper/Pöhn

(irr) Bis Ende Oktober muss man damit leben: Die Staatsoper wird im Erdgeschoß renoviert, etliche Holzbalken haben das Foyer in eine Art Bergstollen verwandelt. Am Donnerstag herrschte darin gar ein Gewühl, als wäre man auf Gold gestoßen. Der wahre Grund freilich: Anna Netrebko. Von einer Erkältung gesundet, ist sie nach einem abgesagten Abend doch noch in die laufende "Trovatore"-Serie eingestiegen.

Aber war sie wirklich ganz genesen? Netrebkologen könnten darüber streiten: Die Russin setzte ihre ersten Töne um Haaresbreiten daneben, eine Art Raureif lag auf der Stimme ihrer Leonora. Dennoch: Die 45-Jährige bestätigte ihre Führungsrolle auf dem Opernsängermarkt imposant. Fülle und Dramatik durchwirken sich in jedem Ton; dieser Sopran schwebt so frei zwischen den Registern, so ungebunden im Klangraum, als wäre er ein vom Körper gelöstes Fluidum.

Information

Il Trovatore
Wh.: 10., 13. September

Das ist nicht nur ein Wunder, es ist am Donnerstagabend auch - eine Hilfe. Die japanischen Schriftzeichen auf der neuen Untertitelanlage sehen wesentlich spannender aus als die Bühne, sagt der Sitznachbar. Stimmt, leider: Daniele Abbado hat in seinem "Trovatore" weniger als Regisseur gearbeitet denn als Opernlandschaftsgärtner, der eine karge Bühne mit stehenden Sängern bewirtschaftet. Am Donnerstag war Spannung auch im Musikergraben ein knappes Gut: Marco Armiliato hielt die Tempi auf kleiner Flamme, was die Misshelligkeiten zwischen Chor und Orchester ebenso förderte wie es das Feuer der Zigeunerszene erstickte. Erst gegen Ende zündete Verdis Orchesterschauerromantik.

Der Abend wurde aber glücklicherweise von etlichen Kraftquellen auf der Bühne gespeist: Netrebkos Ehemann Yusif Eyvazov (Manrico) steuerte Intensität in rauen Mengen bei (wenn auch keinen Schönklang), George Petean (Luna) ließ mit seiner brennheißen Stimmbreite keinen Wunsch offen, Luciana D’Intino war vom Hexenbrustton bis zur Glutspitze bestens auf die Grusel-Azucena eingestellt und Jongmin Park ein metallisch-mächtiger Ferrando. Zuletzt stehender Beifall und fliegende Blumen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-08 16:51:06
Letzte nderung am 2017-09-08 16:55:12



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