• vom 21.09.2017, 16:11 Uhr

Bühne

Update: 21.09.2017, 16:25 Uhr

Theaterkritik

Der Teufel am Kreisverkehr




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Von Petra Paterno

  • Intendant Thomas Gratzer und Musiker Ernst Molden gelingt mit dem Singspiel "Mayerling" schlaues Amüsement im Theater Rabenhof.

Untergangslust: Manuel Rubey (hinten), Gerald Votava.

Untergangslust: Manuel Rubey (hinten), Gerald Votava.© I. Pertramer Untergangslust: Manuel Rubey (hinten), Gerald Votava.© I. Pertramer

Das Wiener Singspiel, die Verbindung von Musik und Schauspiel, hat eine beachtliche, inzwischen wenig bekannte Tradition. Die volkstümliche Theaterform gilt gleichermaßen als Vorläufer der Volkskomödie à la Nestroy - wie der Gattung Operette.

Im Wiener Rabenhof belebt Intendant Thomas Gratzer gemeinsam mit dem Sänger und Songwriter Ernst Molden seit einigen Jahren überaus erfolgreich das nahezu vergessene Genre. Nach "Hafen Wien" und "Häuserl am Oasch", dessen Soundtrack für den österreichische Musikpreis Amadeus nominiert wurde, steht nun die Uraufführung von Moldens "Mayerling" am Spielplan.

Information

Theater
Mayerling. Ein Singspiel von Wilderern und Habsburgern
Text und Musik: Ernst Molden
Regie: Thomas Gratzer
Theater Rabenhof
Wh.: 24., 29., 30. Sept

Ein Singspiel, das etwas auf sich hält, lässt sich nicht von Plot und sonstigen dramaturgischen Zwängen einengen; häufig spielen Geister und Fabelwesen dem Helden - meist ein Hallodri aus der Vorstadt - üble Streiche.

In "Mayerling" will Kronprinz Rudolf (Manuel Rubey) nun einen arbeits- und obdachlosen Wilderer (Gerald Votava) dazu bringen, einen weißen Hirsch zu erlegen, um von einem ominösen Jagdfluch erlöst zu werden. Die gute Fee tritt als Nonne verkleidet auf - Eva Maria Marold stellt sie mit Kraft und Aufrichtigkeit dar. Als Gegenspieler agieren Michou Friesz (als Polizistin) und Christoph Krutzler (als Jäger) in Hochform. Molden hat für die beiden prächtige Österreich-Beschimpfungs-Dialoge verfasst. Thomas Bernhard auf Wienerisch.

Lebensmitschrift unplugged

Das Um und Auf des Singspiels ist aber die Musik. Im Idealfall entspringen Gassenhauer, die seinerzeit von der Vorstadt bis in die Innenstadt zu vernehmen waren. Hitverdächtig sind auch einige jener Lieder, die Ernst Molden für "Mayerling" komponiert hat (und die er im Bühnenhintergrund mit einer sechsköpfigen Band zum Besten gibt).

Molden ist bekannt für seine pointierten Kompositionen, angestimmt im Wiener Dialekt: Lieder, die nonchalant zwischen Wienerlied, Blues und Folk changieren. Liedtexte wie Lebensmitschriften, naturtrüb, unplugged. Eine gelungene Liaison mit dem Wienerlied geht er in "Den Teufel triffst heut an an Kreisverkehr" ein; zarten Balladencharakter entwickelt wiederum das Duett zwischen Marold und Votava, in dem der Tod besungen wird. Untergangslust mit Herzschmerz.

Die lang gezogene Bühne im Rabenhof ist mit Baumstämmen vollgeräumt, der Spielort ist unverkennbar der Wald von Mayerling (Ausstattung: Gudrun Kampl). Regisseur Gratzer hält sich mit Regieeinfällen und großen Schauspielergesten angenehm zurück. Die rund 80-minütige Aufführung hat viel kurzweiliges, schlaues Amüsement zu bieten. Mehr davon.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-21 16:18:06
Letzte nderung am 2017-09-21 16:25:02



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