• vom 22.09.2017, 16:05 Uhr

Bühne

Update: 25.09.2017, 14:00 Uhr

Theaterkritik

Vor der Tat




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Von Theresa Luise Gindlstrasser

  • Die Theaterformation "Einmaliges Gastspiel" untersucht mit "vernichten . . ." ambivalente Gründe für Verbrechen.

Tatort Bühne: "vernichten . . ." handelt von Tätern. - © Katrin Kroencke

Tatort Bühne: "vernichten . . ." handelt von Tätern. © Katrin Kroencke

Gabriela Hütter und Katrin Kröncke queren die Bühne im KosmosTheater. Sie tragen schwarze Röcke und weiße Schürzen. Mit kontrollierten Stimmen beginnen sie zu sprechen. Erzählen von den Schwestern Christine und Léa Papin. 1933 haben sie Frau und Tochter der Familie, bei der sie als Hausmädchen lebten, getötet. Jean Genets Theaterstück "Die Zofen", 1947 in Paris uraufgeführt, erinnert an diesen Fall.

"Fallgeschichten" - so nennt Hagnot Elischka, Leiter der Gruppe "Einmaliges Gastspiel", das Material der gemeinsamen Arbeit "vernichten . . ", die jetzt im KosmosTheater gezeigt wird. Während bis 2010 die Inszenierung von Theater-Texten im Vordergrund stand, hat "Einmaliges Gastspiel", abgesehen von "vernichten . . ." zwei weitere Rechercheprojekte produziert: "Psychiatrie!" entstand 2010, war für den Nestroy-Spezialpreis nominiert und als Gastspiel zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. Das Folgeprojekt war "Trauma!". "vernichten . . .", ein 100-minütiger Abend, hatte 2015 im F23 Premiere. Anders als bei "Psychiatrie!" und "Trauma!", geht es hier nicht um Opfer, sondern um Täter.
Die Arbeitsweise von "Einmaliges Gastspiel" zielt darauf ab, die Grenzen von sogenannter Normalität und psychischer Erkrankung zu befragen. An der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie simulieren die Schauspielerinnen und Schauspieler seit 1993 in Übungsgesprächen mit Medizinstudenten unterschiedliche Krankheitsbilder wie Schizophrenie, Depression oder Alkoholismus. Dabei fasziniert sie "die eigene Nähe zur Krankheit". In "vernichten . . ." heißt es an einer Stelle: "Es gibt keine akkurate Trennung zwischen Wahnsinn und Normalität. Sagen die Surrealisten." In Elischkas Rollenfach hat der Wahnsinn Methode. Ein österreichweit einzigartiges Projekt. Auch bei der künstlerischen Umsetzung lägen zwischen Schauspiel und Simulation nur einige Nuancen.


"vernichten . . ." baut auf den beiden vorangegangenen Projekten auf, unterscheidet sich aber in einem wesentlichen Punkt: Für die Fallgeschichten bei "Psychiatrie!" und "Trauma!" konnten die Schauspieler auf ihre langjährigen Erfahrungen als Simulationspatienten zurückgreifen. Beim jüngsten Stück geht es jedoch um die Frage, was vor der Tat in einem Täter vorgeht. Das Verfahren der Simulation konnte hier nur bedingt eingesetzt werden. Man griff auf historische Fälle zurück, da aktuelle zu sensibel sind. Auf der Suche nach "Strukturen und Einzigartigkeiten", so Elischka, verhandelt "vernichten . . ." (neben dem Fall der Schwestern Papin) noch den gut dokumentierten Massenmord des Ernst August Wagner und den Amoklauf an der Columbine High School. Diese Fälle kontrastieren Elischka, Hütter und Kröncke mit medizinischen Überlegungen zu pränataler und frühkindlicher Prägung.

Auf leerer Bühne stehen die Stimmen im Vordergrund, die sich mitunter zur Aufregung steigern. Meist aber konzentriert sich der Abend auf die Vermittlung von Material. Unterstützt nur durch eine Videoprojektion, löst sich die Frage nach dem "Warum?" in gruseliger Uneindeutigkeit auf.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-22 16:12:14
Letzte nderung am 2017-09-25 14:00:11



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