• vom 23.09.2017, 07:30 Uhr

Bühne

Update: 23.09.2017, 11:19 Uhr

Interview

"Man hat nicht mehr diesen Zorn"




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Was könnte denn in Ihrem Programm für Empörung sorgen?

Dass ich über den Abend verteilt die pseudoaufgeklärte Haltung angehe, die Instanzgläubigkeit, die als aufgeklärt gilt bei uns: Dass man sich, schon allein aufgrund der Tatsache, dass man den "Standard" liest, für einen Intellektuellen hält. Dass man Studien gelesen hat über wissenschaftliche Erkenntnisse und das wirklich für bare Münze nimmt. Diese Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, die direkt geendet hat in einer infantilen Instanzengläubigkeit. Das ist ein sehr bequemes Sich-Ausruhen auf einer gewissen Haltung. Und wenn von dieser Haltung etwas abweicht, verbannt man das reflexartig irgendwohin, was ganz schlecht ist. Also wenn jemand sagt: "Hey, wir sollten aufpassen, dass wir die Zahl der Flüchtlinge halbwegs im Griff haben", ist das ein rechter Standpunkt. Was nicht stimmt, es ist einfach ein Verstandesstandpunkt. Einfach etwas, was der Verstand gebietet, nämlich aus Respekt den Flüchtlingen gegenüber und uns gegenüber, und das hat mit rechts und links gar nichts zu tun. In Wirklichkeit ist das ein Programm gegen rechts und links.

Rechts und links war ja ohnehin gestern. Heute ist, wer was auf sich hält, eine Bewegung.

Und vor allem ist man unfassbar anständig. Da ist eine große Selbstgerechtigkeit in dieser Anständigkeit und wer der nicht folgt, ist rassismusverdächtig oder ungebildet. Diese Überheblichkeit ist auch immer spürbar im Umgang mit internationalen Themen, etwa wenn man fragt, wie gehen andere Kulturen mit kulturellen Unterschieden um. Und man stößt auf eine Kultur, der diese Unterschiede ganz wurscht sind, weil sie sie einfach nicht zulässt, der Iran zum Beispiel, dann wird diese Weltoffenheit, die man als Anständiger hat, umgedreht im Sinne von: Naja, das ist der Iran, wir sind schon einen Schritt weiter...

Gilt die Einschätzung wirklich überall? In Saudi-Arabien wären vielleicht manche Frauen froh, wenn westlichere Werte zur Stellung der Frau importiert würden.

Ja natürlich, aber da engagieren wir uns ja nicht, weil Saudi-Arabien sowieso gefällig ist. Wir müssen nicht in Saudi-Arabien für die Rechte der Frauen kämpfen, die uns sowieso wurscht sind, weil die Saudis ohnehin Zulieferer unseres Systems sind. Wir tragen unser System immer gern in die unfolgsamen Staaten, Libyen, Nicaragua, Chile. Da heißt es dann, Dinge laufen aus dem Ruder und das heißt in den meisten Fällen, die wollen bisschen zu selbständig werden. Es ist ein Vorwand zu sagen, wir tragen unsere Werte wohin; es geht um Gefügigkeit.

Alfred Dorfer: "und..."

Premiere am 17. Oktober

im Stadtsaal Wien.

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Schlagwörter

Interview, Alfred Dorfer, Kabarett

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-22 16:33:07
Letzte Änderung am 2017-09-23 11:19:03



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