• vom 25.09.2017, 16:43 Uhr

Bühne


Opernkritik

Komm, blasser Tod




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Von Christoph Irrgeher

  • Klangschön, aber spannungsarm: "La traviata" unter James Gaffigan an der Staatsoper.

Wohltönendes Duo: Borras und Peretyatko.

Wohltönendes Duo: Borras und Peretyatko.© Pöhn/Wiener Staatsoper Wohltönendes Duo: Borras und Peretyatko.© Pöhn/Wiener Staatsoper

Sechs Jahre ist die "Traviata" der Wiener Staatsoper mittlerweile alt; bis heute hat sie nichts von ihrer Bedeutungslosigkeit verloren. Blicken wir zurück: Die Sehenswürdigkeit der Premiere war vor allem Natalie Dessay, umgeben von fünf, sechs Requisiten auf einer kargen Großraumbühne - und von einer Handvoll Hinweisen auf so etwas wie eine Regiearbeit. Es waren dies kleine, altbekannte Mätzchen wie das Bekritzeln einer Wand oder ein Spielbeginn der Statisten noch vor der Ouvertüre. Jean-François Sivadier hat damit vor allem ein Star-Vehikel geschaffen für Dessay - die freilich nur für die Premierenserie zur Verfügung stand.

Die aktuelle Wiederaufnahme ließ ein wenig hoffen. Immerhin war dafür Olga Peretyatko gebucht, und die Russin genießt heute ein ähnliches Renommee wie damals Dessay: Womöglich könnte sie, so der fromme Wunsch, dieses Opernödland neu beseelen. Tatsächlich trat ein bizarrer Fall ein. Peretyatko sang tadellos, wie das Gros der Kollegen. Dennoch wirkte der Abend so blass wie ein Löschblatt.


Das lag zum einen daran, dass sich die Darsteller unwesentlich mehr bewegten als eine Immobilie, vor allem aber an Dirigent James Gaffigan. Der an sich starke Tobak dieser Verdi-Oper - Prostituierte opfert sich für die Liebe ihres Lebens und stirbt elendiglich - ist seiner Interpretation nicht anzuhören: Wie mit dem Bügeleisen dampft Gaffigan die Intensitätsfalten aus der Partitur und erzeugt eine glatt-softe Klangfläche. Immerhin: Peretyatko durchbricht diese Fadesse hier und da mit prächtigen Glitzertönen; noch öfters gelingt dies Jean-François Borras (Alfredo), der ebenso über ein Nuancierungsgeschick verfügt wie über satte Klangsinnlichkeit. Paolo Rumetz liefert dazu einen achtbaren Giorgio; der Chor gewinnt allmählich an Präzision. Steigern sollte sich aber vor allem die Gesamtgüte dieser Aufführungsserie. Mehr wäre hier wirklich: mehr.

Oper

La traviata

Staatsoper (01/5131513)

Wh.: 27., 29. September, 2. Oktober




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Dokument erstellt am 2017-09-25 16:48:08



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