• vom 02.10.2017, 15:48 Uhr

Bühne


Romeo und Julia

Umwerfende Liebe




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Von Hans Haider

  • "Romeo und Julia" von Shakespeare im Landestheater St. Pölten.

Romeo (Tim Breyvogel) und Julia (Seyneb Saleh). - © Alexi Pelekanos

Romeo (Tim Breyvogel) und Julia (Seyneb Saleh). © Alexi Pelekanos

Das Volkstheater zeigte unlängst die Tragödie von Veroneser Kindern aus reichem Haus überladen: mit drei Romeos und drei Julien. In den Kammerspielen wird derzeit in "Shakespeare in Love" amüsant spekuliert, wie der Dichter seine eigene Julia fand. In St. Pölten hämmerte Sebastian Schug das zu oft in romantischer Seligkeit versenkte Bildungsgut zum kraftvollen Spektakel zurecht. Schon jäh der Beginn: ein Edelburschenkampf mit klirrenden Waffen, Gebrüll und Sprüngen wie im "Fluch der Karibik". Romeo Tim Breyvogel führt den Degen mit pomadigem Haar, Hipsterbart und stechendem Blick wie ein Christus in Oberammergau. Bei Blitz und Donner wie im Hexensabbat schießt ihm die Liebe zu Julia ein. Seyneb Saleh führt ranke Bellezza in Salonmanier vor. Edelfrau statt Mädchen. Beiden fehlt der Zauber des Noch-nicht-Wissens. Die Liebe bahnt ihren Weg mit Tschinderassabumm. Julia wirft sie bei der ersten Begegnung buchstäblich um.

Die Übersetzung von Thomas Brasch verlebendigt Shakespeares Sprachspiele mit knalligen Reimen und erotischer Übergenauigkeit in heutigem Deutsch. Viele Herren lernen in heutigen Theaterschulen besser Fechten als Sprechen. Hinter Johanna Tomek (Amme) und Thomas Brammer (Capulet, Bruder Lorenzo) bleiben sie trotz ihres übergroßen Zungentempos zurück. Der sich wie ein ekstatischer Moriskentänzer in seinem Weltekel verheddernde Mercutio ist eine Frau: Elzemarieke de Vos, fulminant, doch mit ihrem angemalten Schnurrbart zu viel Maskerade. Der zarten Josephine Bloéb nimmt man den forschen Brautwerber Conte Paris nicht ab.


Sebastian Schugs Regie macht manche Fehlstelle im Ensemble vergessen. Ein verrücktes, zum Weinen und Lachen großes Ganzes erscheint im engen Bühnenraum. Kein Balkon, keine Hecke daneben zum Hinaufklettern, doch ein den Hinschauer überrollendes Theaterbild. Christian Kiehl stellte vor neutral-grauen Hintergrund einen wie aus dem Boden quellenden Kubus, zugleich Brautbett und Katafalk.

Pop-Balladen
Daneben finden die Instrumente einer kleinen Combo Platz, in der auch Frau de Vos und Emanuel Fellmer (Tybalt) mittun. Johannes Winde komponierte, arrangierte die Musik: Pop-Balladen, elisabethanische Anklänge. Ist die Liebe am schönsten und das Unglück am nächsten, singt das halbe Ensemble "Sweet child o’ mine / Sweet love of mine / Where do we go?" von Guns N’ Roses - "Mein süßes Kind, meine süße Liebe, wo gehen wir hin?"

Dem Ende zu. Da darf noch einmal gelacht werden, wenn Romeo unter heftigem Geknarze einen Eisendeckel aufstemmt, um sein Zufallsopfer Paris zu begraben. Den Liebenden gönnte die Regie keinen sanften Tod. Romeo zappelt sich aus, Julia rührt mit dem Dolch in ihrem Bauch rundum. Zum letzten Mal spritzt Theaterblut. Bis Helmut Wiesinger als Prinz wie von einem anderen Stern die Versöhnung von Montague und Capulet einmahnt. Starker Beifall.

theater

Shakespeare: Romeo und Julia

Sebastian Schug (Regie)

Mit Tim Breyvogel, Seyneb Saleh

Niederösterreichisches Landestheater St. Pölten, www.landestheater.net

Wh.: Bis 31. Jänner.

19., 20. Dezember in Baden




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Dokument erstellt am 2017-10-02 15:54:06



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