• vom 07.11.2017, 16:02 Uhr

Bühne

Update: 07.11.2017, 16:11 Uhr

Musiktheaterkritik

Der kahle Clownfisch




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Von Christoph Irrgeher

  • Ein irres Haus: Sirene Oper bespielt ein ehemaliges Postamt mit absurdem Theater.

Schicksal Riesenhände: Benjamin-Lew Klon.

Schicksal Riesenhände: Benjamin-Lew Klon.© Armin Bardel Schicksal Riesenhände: Benjamin-Lew Klon.© Armin Bardel

Wer den Aufführungsort nicht kannte, dem half ein Signal. Tuut!, dröhnte ein Schiffshorn durch die Wiener Zollergasse und dirigierte das scheinbar verirrte Festivalvolk von Wien Modern zu jener Premiere, die da hieß: "Die Reise".

Anfangs freilich nicht leicht auszuloten, was dieser Termin im aufgelassenen Post- und Telegrafenamt sein soll: Oper? Stationentheater? Performance? Irritation hält den Menschen jedenfalls jung, und die Macher von Wien Modern und Sirene Operntheater sorgen organisatorisch dafür, dass sich die Fragezeichen zu Beginn noch verdichten: Beim Betreten des kargen Foyers in der Zollergasse 31 erhält man eine Gebäudeskizze sowie einen Zeitplan, wobei Letzterer durch einen Änderungszettel korrigiert wird. Absurd, aber so ist es hier: Die Musiktheaterstücke, garniert durch viele kleinere Kuriositäten, dauern nur wenige Minuten, die Pausen dazwischen umso länger. Gewollt absurd die Werke selbst: "Im besten Hotel der Stadt" erzählt von einem Mann, der vom Regen der Skurrilität (er leidet an Riesenhänden, mit denen er durch den Boden zu krachen droht) in die bizarre Traufe gerät (er bricht über Gebühr das Eis mit einer verheirateten Frau, brüskiert deren Gatten aber danndurch die Verwendung des Wortes "ich"). "Beim Sehtest" wiederum sieht man einen Clownfisch, dann trägt ein Mann mit steigender Präzision Buchstaben vor. Doch um welchen Preis! Er röchelt immer mehr und fällt wie ein nasser Sack zu Boden: Ende.

Information

Musiktheater

Die Reise

Wh.: bis 18. November

Das wäre ja ganz innovativ - hätte Jean Thibaudeau seine Miniaturen nicht erst acht Jahre nach Eugène Ionescos "Kahler Sängerin" (1950) vorgelegt, und die ist überdies witziger. Immerhin: Zwischen den Sätzen erklingt fallweise ein Musikbrocken von Jean Barraqué, der in seinem Leben (1928-1973) nur sechs, dafür vertrackte Stücke schrieb. Wer all dies hören und sehen will: Bitte auch die Installationen im vierten Stock inspizieren. Am Boden liegt dort ein Riesenstöpsel, im Stock darüber saugt jemand mit ernstem Blick. Warum, weiß keiner.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-07 16:05:10
Letzte nderung am 2017-11-07 16:11:39



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