• vom 10.11.2017, 16:14 Uhr

Bühne

Update: 10.11.2017, 16:53 Uhr

Opernkritik

Sängerfest im Kitschpalast




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Von Christoph Irrgeher

  • "Adriana Lecouvreur" mit Anna Netrebko an der Wiener Staatsoper.

Eindringlich im Reifrock: Anna Netrebko.

Eindringlich im Reifrock: Anna Netrebko.© Staatsoper/Pöhn Eindringlich im Reifrock: Anna Netrebko.© Staatsoper/Pöhn

Sollte es einen Preis für den seltsamsten Opernmord geben, würde ihn dieses Werk abräumen: In "Adriana Lecouvreur" stirbt die Titelheldin durch das Schnuppern an einem vergifteten Veilchenstrauß. Das Stück von Francesco Cilèa, 1902 uraufgeführt, treibt freilich schon vor diesem fatalen, floralen Finale seltsame Blüten.

Womöglich erpicht darauf, sich an die Fersen von Puccinis "Tosca"-Erfolg (1900) zu heften, erzählt Cilèa auch die Geschichte einer von Männersehnsüchten und politischen Machenschaften umgebenen Künstlerin. Und er tut es mit ähnlichen Klangmitteln. Der reiche Orchestersatz, die aufgedonnerten Rhythmen, die süffigen Kantilenen: all das gibt es auch hier. Nur leider in verminderter Qualität. Angehörs der wenigen inspirierten Momente dieser Partitur (etwa Adrianas Auftrittsarie) und des vielen Geplätschers könnte man von einem "Puccini gespritzt" sprechen.

Information

Oper
Adriana Lecouvreur
Wh.: 12., 15., 18. November

Freilich: Als Vehikel für einen Star eignet sich dieses Werk, und die Staatsoper hat es 2014 so aufgezogen. Angela Gheorghiu verkörperte die Schauspieldiva Adriana rollendeckend; Regisseur David McVicar bettete sie auf die Rosen einer opulenten Ausstattung. Reifröcke, Rüschen, Luster, Marmor: ein Tempel für eine Bühnengöttin klassischer Façon. Nur wirkte all die altmodische Festlichkeit auch ziemlich gestelzt und verdoppelte die Floskelhaftigkeit der Musik.

Da ist Anna Netrebko in der Wiederaufnahme ein doppelter Glücksfall. Nicht nur, dass die 46-Jährige mittlerweile vom bedeutungsschweren Brustregister bis zum zwitschernden Spitzenton alles beherrscht: Netrebko findet für die unsteten Emotionen ihrer Figur stets die richtigen Farben und entwickelt dabei eine Vitalität und Wucht, die den Kitschpalast rund um sie regelrecht wegfegt. Piotr Beczała (Maurizio) steigert sich zu gewohnter Tenorbravour, Roberto Frontali rührt als chancenlos verliebter Michonnet und Elena Zhidkova überwältigt als Rivalin mit fulminanten Attacken: Ein Sängerfest, lautstark dirigiert von Evelino Pidò und zuletzt ebenso gefeiert.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-10 16:20:12
Letzte nderung am 2017-11-10 16:53:30



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