• vom 05.12.2017, 16:42 Uhr

Bühne


Interview

Der Dirigent - ein Kapitän




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Von Verena Franke

  • Gerrit Prießnitz, Dirigent der Staatsballett-Premiere, über Tempi-Gratwanderungen für Tänzer und den hitzköpfigen Berlioz.

Maria Yakovleva (Juliette), darunter Masayu Kimoto (Roméo). - © Wr. Staatsballett/Ashley Taylor

Maria Yakovleva (Juliette), darunter Masayu Kimoto (Roméo). © Wr. Staatsballett/Ashley Taylor


© B. Pálffy © B. Pálffy

Wien. Mit "Romeo und Julia" verbindet man eher Prokofjew: Den "Tanz der Ritter" etwa haben sich auch Autohersteller und die Casinos Austria für ihre Werbungen einverleibt. Choreograf Davide Bombana hingegen verwendet für sein "Roméo et Juliette" die gleichnamige Symphonie dramatique von Hector Berlioz - und kreiert ein neues Werk für das Staatsballett. Dirigent Gerrit Prießnitz leitet diesen auch musikalisch herausfordernden Abend.

"Wiener Zeitung": Gehen Sie eigentlich außerdienstlich ins Ballett?


Gerrit Prießnitz: Ja, schon. Ich habe sehr viele Produktionen gesehen, die an der Volksoper und Staatsoper herausgekommen sind.

Schauen Sie auch Ballett, wenn Sie dirigieren? Also: Schauen Sie den Tänzern vom Orchestergraben aus zu? Und beeinflusst Sie das in Ihrer Herangehensweise?

Das ist natürlich von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich. Ein Extrembeispiel dafür ist der "Nussknacker" in der Nurejew-Version, den ich auch an der Staatsoper dirigiert habe: Da ist man sehr begleitend über weite Strecken des Stücks. Und dann gibt es das Gegenbeispiel, in dem man fast symphonisch durchdirigiert. Und nun in "Roméo et Juliette" von Berlioz ist es ein Mittelding, wo sich das sehr stark abwechselt. Der erste Teil mit dem Kammerchor und den Solisten läuft streng nach der Musik, und der Tanz wird hineingewoben - aber seitens der Choreografie und nicht der Musik. Und dann im zweiten Teil: Die "Romeo-alleine"-Szene und dann die Ballszene richten sich sehr nach dem Geschehen auf der Bühne. Und so geht das ein bisschen hin und her. Bei der Schlussszene mit drei Chören, Ballett und Sängern gibt es organisatorische Grenzen, da muss man sich auf ein Tempo verständigen, das man auch am Abend nicht groß adaptiert - immerhin sind es 80 Musiker im Graben und 80 Sänger im Chor. Ich kann da nicht das Schiff einmal ein wenig backbord und dann steuerbord legen.

Und wie weit gehen Sie, um die Tempi den Tänzern anzupassen?

Wenn ich nicht bereit wäre, Kompromisse einzugehen, dann dürfte ich gar kein Ballett dirigieren. Aber einen gewissen Kompromiss muss ich bei Sängern auch machen. Ich kann mir ja nichts kaufen, wenn ich sagen kann: "Ich hab’ aber recht gehabt", und der Tänzer aufgrund etwa der Schnelligkeit seine Variation nicht glaubhaft, oder gar nicht mehr ausführen kann.

Das gilt ja für Sänger auch.

Ja klar. Es nützt mir nichts, wenn ich darauf bestehe, dass das Ritardando auf der Zwei steht, aber der Sänger das nicht überzeugend singen kann. Das ist immer eine graduale Anpassung.

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Dokument erstellt am 2017-12-05 16:47:08



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