• vom 06.12.2017, 16:02 Uhr

Bühne


Opernkritik

Mit dem Paternoster ins Inferno




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andreas Meier

  • Elena Pankratova debütierte als Elektra in der Wiener Staatsoper.

Elena Pankratova gestaltete die Titelrolle mit vielschichtigem Spiel.

Elena Pankratova gestaltete die Titelrolle mit vielschichtigem Spiel.© Staatsoper/Michael Pöhn Elena Pankratova gestaltete die Titelrolle mit vielschichtigem Spiel.© Staatsoper/Michael Pöhn

Ein dunkler Kohlekeller, in dem geschundene Seelen ihr Dasein fristen und einzig ein etwas deplatzierter Paternoster den Weg in die Freiheit erahnen lässt. Noch ehe man, von Uwe Eric Laufenbergs Bühnenbild irritiert, auf ein verzweifeltes "Gott, welch Dunkel hier!" wartet, erhebt Ingo Metzmacher den Taktstock. D-Moll. Fortissimo. Elektra! Richard Strauss’ psychische Polyphonie wurde an diesem Abend in der Staatsoper bis an ihre Grenzen ausgelotet.

Waltraud Meier als Klytämnestra stand bei ihrem Auftritt nicht nur räumlich zwei Stufen über dem restlichen Ensemble. Ihre Textgestaltung, die vielfältigen Vokalfarben und ihre Bühnenpräsenz zeigten einmal mehr die Ausnahmestellung der Kammersängerin. Dem gegenüber geriet das Staatsopern-Rollendebüt von Elena Pankratova als Elektra etwas in den Hintergrund. Das lag nicht an der Stimme, Pankratova spielte vielschichtig, mit dramatischem, aus einem vollen Mittelregister schöpfendem Sopran, der in den ruhigen Momenten auch lyrische Qualitäten zeigte. Allein die mangelnde Textverständlichkeit trübte ihr Gesamtbild. Hier bot Gun-Brit Barkmin als Chrysothemis ein passendes Gegenbild: Mit klarem, durchdringendem Ton und präsenter Diktion belebte sie die zuweilen in Vokalisen vergehenden Monologe Elektras merklich.


Auch die männlichen Antipoden bildeten ein solches Gegensatzpaar. Johan Reuter als profunder und stimmgewaltiger Orest und Norbert Ernst, der den Aegisth sehr modern und ohne Pathos am Text entlang gestaltete.

Metzmachers rhythmisches, fast perkussives Dirigat ließ viele Details der Partitur geradezu konzertant hervortreten und spannte die dynamischen Bögen bis zum Zerreißen. Die Wucht von Strauss’ harmonischen Extremen in solch konkrete Formen gegossen zu hören, machte diese Elektra zu einer Grenzerfahrung, die noch lange nachhallte.

oper

Elektra

Von Richard Strauss

Wiener Staatsoper




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-12-06 16:05:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Nicht mit uns"
  2. Kein "Irrer mit der Bombe"
  3. "Das ist Wahnsinn"
  4. Problemzone Stammtisch
  5. 152 rasante Minuten mit Laserschwert
Meistkommentiert
  1. Die Kamera als Schutz
  2. "Ohne Polen kollabiert London"
  3. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  4. Beethoven-Skulptur in Wien enthüllt
  5. Zu kurzsichtig

Werbung



CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung


Werbung